Vergleich der Kita-Platzplanung in Montabaur: Für die acht Einrichtungen sinkt die geplante Gesamtzahl von 823 auf 766 Plätze.

Millionen für neue Räume – doch Montabaurs Kita-Plan schrumpft

35 zusätzliche Plätze, ein frisch eingeweihter Anbau und ein Kostenrahmen von 4,2 Millionen Euro: Wer derzeit auf die Kita-Landschaft in Montabaur schaut, könnte zunächst von Ausbau ausgehen. Tatsächlich kann die katholische Kita St. Martin nach Angaben der Stadt jetzt 160 Kinder aufnehmen. Doch die offizielle Kita-Bedarfsplanung des Westerwaldkreises zeigt gleichzeitig in eine andere Richtung: Für die acht Einrichtungen der Stadt stehen für 2025/26 insgesamt 823 geplante Plätze in der Tabelle, für 2026/27 nur noch 766. Rechnerisch sind das 57 Plätze weniger im Plan. montabaur.de

Das heißt ausdrücklich nicht, dass 57 Kinder ihren Kita-Platz verlieren. Die Zahlen stammen aus einer Bedarfsplanung und sind keine aktuelle Belegungsliste. Trotzdem ist der Vergleich relevant: Während öffentlich über Erweiterungen und neue Räume gesprochen wird, schrumpft die geplante Platzzahl in der offiziellen Tabelle deutlich.

DAS WICHTIGSTE

823 → 766: Die geplante Platzzahl der acht Montabaurer Kitas sinkt rechnerisch um 57.

St. Martin: Der gerade fertiggestellte Anbau schafft nach Angaben der Stadt 35 zusätzliche Plätze; insgesamt können dort jetzt 160 Kinder aufgenommen werden.

Don Bosco: Die Einrichtung soll im Frühjahr 2027 schließen. Im Bedarfsplan sinkt ihre Planzahl zunächst von 75 auf 50.

Nicht nur Don Bosco: Auch Sonnenschein und St. Johannes in Horressen werden 2026/27 mit weniger Plätzen geführt.

Wichtig: Planplätze sind keine aktuell belegten Plätze. Wie viele freie, belegte oder nachgefragte Plätze Montabaur im Oktober 2026 tatsächlich hat, lässt sich daraus nicht ablesen.


Im Überblick: Plätze im Vergleich · St. Martin · Don Bosco · Eltern und Wege · Was offen bleibt


Wo die 57 Plätze verschwinden

Der Blick auf die acht Montabaurer Einrichtungen macht den Unterschied sichtbar:

KitaPlan 2025/26Plan 2026/27Veränderung
Don Bosco7550−25
St. Peter50500
St. Martin1601600
Himmelfeld1601600
Sonnenschein145135−10
Peterstor75750
St. Johannes Horressen10886−22
Elgendorf50500
Gesamt823766−57

Die 57 Plätze verteilen sich damit auf drei Einrichtungen: Don Bosco mit minus 25, Sonnenschein mit minus zehn und St. Johannes in Horressen mit minus 22. Die übrigen fünf Einrichtungen bleiben im Vergleich der beiden Planjahre unverändert. Die Gesamtsumme von 823 beziehungsweise 766 weist der Bedarfsplan selbst aus. sessionnet-oparl.owl-it.de

Und genau hier liegt der Punkt, der bei einer oberflächlichen Rechnung leicht verloren geht: Die Erweiterungen von St. Martin und Himmelfeld sind in der Ausgangsplanung 2025/26 bereits enthalten. Wer jetzt die neuen Plätze bei St. Martin einfach nochmals auf die Gesamtzahl aufschlägt und anschließend Don Bosco abzieht, zählt teilweise doppelt.

Eine Planung – keine Live-Anzeige freier Plätze

Der Bedarfsplan des Westerwaldkreises ist keine tagesaktuelle Übersicht darüber, wie viele Stühle gerade frei sind. Für die Fortschreibung 2026/27 wurden unter anderem Einwohnerdaten zum Stichtag 1. September 2025, dem Jugendamt vorliegende Bestandszahlen der Einrichtungen und der örtliche Betreuungsbedarf ausgewertet. Für die zwei- bis sechsjährigen Kinder arbeitet die Planung zudem mit 4,5 Jahrgängen; bei den U2-Kindern fließen weitere Berechnungsannahmen ein. sessionnet-oparl.owl-it.de

Der Kreis beschreibt gleichzeitig einen moderaten Rückgang der Kinderzahlen. Kreisweit sank beispielsweise die Zahl der Zweijährigen nach Angaben im Bedarfsplan innerhalb von zwei Jahren von 1.735 auf 1.575. Auch die Inanspruchnahme von U2-Plätzen sei zurückgegangen. sessionnet-oparl.owl-it.de

Damit gibt es einen nachvollziehbaren demografischen Hintergrund für Anpassungen der Planung. Er beantwortet aber nicht automatisch die für Eltern entscheidende Frage: Wie viele Plätze stehen in Montabaur tatsächlich zur Verfügung, wenn sie einen brauchen?

4,2 Millionen Euro – und 35 zusätzliche Plätze

Am 30. September meldete die Stadt die Fertigstellung des Anbaus der katholischen Kita St. Martin. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit stehen dort 730 Quadratmeter zusätzliche Fläche zur Verfügung. Die Stadt spricht von 35 zusätzlichen Plätzen. Insgesamt können nun 160 Kinder aufgenommen werden, darunter zehn Kinder unter zwei Jahren. montabaur.de

Der Kostenrahmen für das Gesamtprojekt liegt nach Angaben der Stadt bei 4,2 Millionen Euro. Darin enthalten sind 200.000 Euro für Parkplätze, Zuwegung und Beleuchtung. Förderzusagen liegen unter anderem vom Land in Höhe von 765.000 Euro, vom Westerwaldkreis mit rund 1,135 Millionen Euro und vom Bistum Limburg mit 402.000 Euro vor. Hinzu kommen 42.000 Euro der Else-Schütz-Stiftung. montabaur.de

Die Investition ist also erheblich. Doch beim Vergleich der Kita-Pläne entsteht ein zunächst überraschender Effekt: St. Martin steht sowohl für 2025/26 als auch für 2026/27 bereits mit 160 geplanten Plätzen in der Tabelle. Der jetzt gefeierte Ausbau verändert deshalb den Vergleich dieser beiden Planjahre nicht mehr. sessionnet-oparl.owl-it.de

Im Bedarfsplan taucht daneben für St. Martin eine Kapazitätsangabe von 175 Plätzen auf. Die konkrete Planaussage beträgt aber 160; auch die Stadt nennt nach Fertigstellung 160 aufnehmbare Kinder. Für die tatsächliche Vergleichsrechnung ist deshalb die Planplatzzahl entscheidend. sessionnet-oparl.owl-it.de

Auch Himmelfeld steckt bereits in der Rechnung

Dasselbe Prinzip gilt bei Himmelfeld. Die Stadt verweist im Zusammenhang mit der Neuordnung der Kita-Landschaft ausdrücklich auf zusätzliche Aufnahmemöglichkeiten durch die Erweiterung dieser kommunalen Einrichtung. Im Haushalt 2026 zählt die Fertigstellung von Himmelfeld neben St. Martin zu den laufenden Projekten. montabaur.de

Doch auch Himmelfeld steht bereits für 2025/26 und 2026/27 mit jeweils 160 geplanten Plätzen im Bedarfsplan. Wer die Erweiterung heute als komplett neue Zusatzkapazität auf die 823 Plätze des Vorjahres aufschlägt, würde deshalb Äpfel mit Birnen vergleichen. sessionnet-oparl.owl-it.de

Eine Kita verschwindet

Auf der anderen Seite steht Don Bosco. Stadt Montabaur und Pfarrei St. Peter kündigten bereits im November 2025 gemeinsam an, die Einrichtung im Frühjahr 2027 zu schließen. Als Gründe nannten sie den baulichen Zustand, eine notwendige umfassende und kostenintensive Sanierung sowie rückläufige Kinderzahlen. montabaur.de

Der aktuelle Bedarfsplan vollzieht den Übergang bereits teilweise nach: Für 2025/26 stehen 75 geplante Plätze in der Tabelle, für 2026/27 noch 50. Als Kapazität nennt das Dokument weiterhin 75 Plätze. sessionnet-oparl.owl-it.de

Die jüngste Mitteilung der Stadt vom 30. September 2026 bestätigt erneut die Schließung „im nächsten Frühjahr“. Jüngere Kinder sowie einige pädagogische Fachkräfte sollen nach St. Martin wechseln. Damit verdichtet sich der Zeitplan auf Frühjahr 2027 – einen konkreten letzten Betreuungstag nennt die Stadt allerdings nicht. montabaur.de

Die Eltern sollen dabei ihr Wunsch- und Wahlrecht behalten. Bereits bei Ankündigung der Schließung erklärte die Stadt, Familien könnten zwischen katholischen und kommunalen Einrichtungen wählen. Als zusätzliche Möglichkeit wurde ausdrücklich Himmelfeld genannt. montabaur.de

Die entscheidende Frage ist deshalb weniger, ob Montabaur Gebäude erweitert. Das tut die Stadt sichtbar. Entscheidend für Familien ist, welche reale Platzreserve nach der Neuordnung übrig bleibt und wohin die heutigen Don-Bosco-Kinder tatsächlich wechseln.

Die einfache „35 plus 50 minus 75“-Rechnung führt in die Irre

Auf den ersten Blick wäre eine verlockend einfache Rechnung möglich: neue Plätze bei St. Martin, zusätzliche Kapazitäten in Himmelfeld, dafür Don Bosco weg – also müsste am Ende doch eigentlich ein Plus herauskommen.

Genau diese Rechnung trägt der offizielle Planvergleich jedoch nicht.

Der Grund: Die erweiterten Größen von St. Martin und Himmelfeld sind bereits in den 823 geplanten Plätzen des Jahres 2025/26 enthalten. Don Bosco wird dagegen erst schrittweise aus der Planung herausgenommen. Zusätzlich sinken die Planzahlen bei Sonnenschein und Horressen.

Wer wissen will, ob Montabaur nach Abschluss sämtlicher Baumaßnahmen wirklich mehr, weniger oder lediglich anders verteilte Betreuungskapazität besitzt, muss deshalb nicht die Pressemitteilungen addieren, sondern die vollständige Platzbilanz betrachten.

Und die sagt derzeit für den Vergleich der beiden Planjahre: minus 57.

Werden Kita-Plätze für Familien teurer?

Bei den eigentlichen Kita-Gebühren gibt es zunächst eine klare gesetzliche Grenze. In Rheinland-Pfalz ist der Besuch einer in den Bedarfsplan aufgenommenen Tageseinrichtung für Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt beitragsfrei. Für Kinder unter zwei Jahren können Elternbeiträge erhoben werden. Für Mittagessen und Verpflegung ist ein gesonderter Beitrag zulässig. Das regelt § 26 des rheinland-pfälzischen KiTaG. Kita Rheinland-Pfalz

Aus der Don-Bosco-Schließung lässt sich daher nicht ableiten, dass Eltern künftig pauschal höhere Kita-Gebühren zahlen müssen.

Anders sieht es bei indirekten Belastungen aus. Wechselt ein Kind in eine weiter entfernte Einrichtung, können zusätzliche Fahrten, Zeitaufwand und damit auch Kosten entstehen. Ob das tatsächlich passiert und wie groß der Unterschied für einzelne Familien wird, lässt sich derzeit aber nicht seriös beziffern.

Denn öffentlich liegt bislang keine vollständige Liste vor, welche Don-Bosco-Kinder später welche Einrichtung besuchen werden. Deshalb wäre eine pauschale Behauptung wie „Eltern müssen künftig X Kilometer weiter fahren“ nicht belegt.

Viel gebaut – aber was zählt am Ende für Familien?

Montabaur steckt erhebliche Summen in seine Betreuungsinfrastruktur. St. Martin ist fertiggestellt, Himmelfeld gehört zu den laufenden beziehungsweise fertigzustellenden Projekten. Gleichzeitig wird mit Don Bosco eine bestehende Einrichtung aufgegeben. montabaur.de

Die reine Zahl der Gebäude sagt deshalb wenig. Entscheidend sind Plätze, Altersstruktur, Betreuungszeiten und tatsächliche Nachfrage.

Bemerkenswert ist dabei noch etwas anderes: Der offizielle Plan weist für die gesamte Verbandsgemeinde Montabaur für 2026/27 einen statistischen Bedarf von 1.835 Kita-Plätzen und einen Bestand von 2.239 aus. Darin enthalten sind jedoch sämtliche Einrichtungen und Gemeinden der Verbandsgemeinde – diese Zahlen können nicht einfach auf die Stadt Montabaur übertragen werden. sessionnet-oparl.owl-it.de

Gerade deshalb lohnt der Blick auf die acht Einrichtungen im eigentlichen Stadtgebiet.

Die wichtigste Zahl fehlt noch

Dokumentiert ist nun, wie die Planung aussieht. Nicht dokumentiert ist damit automatisch die tatsächliche Versorgungssituation im Herbst 2026.

Öffentlich weiterhin nicht eindeutig beantwortet sind vor allem die aktuelle Belegung der einzelnen Einrichtungen, die Zahl tatsächlich sofort verfügbarer Plätze, mögliche Wartelisten, die konkrete Verteilung der Don-Bosco-Kinder sowie die daraus entstehenden Wege für Familien.

Auch die endgültige Montabaurer Bilanz nach vollständiger Schließung von Don Bosco lässt sich aus der derzeitigen Fortschreibung noch nicht ablesen. Für 2026/27 führt der Plan Don Bosco schließlich noch mit 50 Plätzen.

Genau dort liegt der nächste journalistische Prüfpunkt: Die kommende Bedarfsplanung muss zeigen, ob diese 50 Plätze komplett verschwinden, an anderer Stelle ersetzt werden oder ob weitere Anpassungen folgen.

Bis dahin bleibt der belastbare Befund deutlich genug:

Montabaur erweitert und modernisiert seine Kitas. Gleichzeitig sinkt die Summe der geplanten Plätze der acht Einrichtungen im Vergleich von 823 auf 766. Wer nur auf die neuen Räume schaut, sieht deshalb nur die halbe Geschichte.


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