Der Rhein-Hunsrück-Kreis will rund 2.300 unterversorgte Adressen mit Glasfaser erschließen. Gebaut werden soll nach dem vorläufigen Plan bis Ende 2027. Im veröffentlichten Haushaltsentwurf stehen jedoch noch 15,1 Millionen Euro Auszahlungen für 2028. Die Unterlagen erklären nicht, wofür diese späte Rate vorgesehen ist.
Bauziel 2027 – warum der Glasfaser-Haushalt bis 2028 reicht
Der Rhein-Hunsrück-Kreis plant seinen geförderten Glasfaserausbau mit rund 63 Millionen Euro. Westconnect soll rund 2.300 bislang unterversorgte Adressen anschließen. Bund und Land tragen nach Kreisangaben zusammen rund 57 Millionen Euro. Die politische Botschaft ist klar: Glasfaser soll kommen, die Arbeiten sollen nach dem vorläufigen Bauzeitenplan Ende 2027 abgeschlossen sein.
Der veröffentlichte Haushaltsentwurf erzählt jedoch eine kompliziertere Geschichte. Für 2026 sind lediglich 600.000 Euro neue Auszahlungen angesetzt. Gleichzeitig plant der Kreis 26,1 Millionen Euro für 2027 und weitere 15,1 Millionen Euro für 2028. Fast ein Viertel des gesamten Projektvolumens steht damit noch nach dem genannten Bauziel im Finanzplan.
Das ist kein Beleg dafür, dass sich der Ausbau verzögert. Aber es ist ein dokumentierter Widerspruch zwischen öffentlichem Bauziel und Finanzkurve – und die veröffentlichten Unterlagen lösen ihn nicht auf.
Der Haushaltsplan setzt den entscheidenden Punkt
Der Kreis schreibt auf seiner Projektseite, die Bauarbeiten sollten nach einem „unverbindlichen vorläufigen Bauzeitenplan“ bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Genau diese Formulierung ist wichtig: Sie beschreibt kein garantiertes Fertigstellungsdatum, sondern einen vorläufigen Plan.
Im Haushaltsentwurf 2026 stehen für die Maßnahme dagegen Auszahlungen bis 2028. Die Zahlen lesen sich so:
| Jahr | Geplante Auszahlungen |
|---|---|
| 2026 | 600.000 Euro |
| 2027 | 26,1 Millionen Euro |
| 2028 | 15,1 Millionen Euro |
Der Ansatz für 2028 entspricht rund 24 Prozent des genannten Gesamtvolumens von 63 Millionen Euro. Eine Erläuterung, ob es sich dabei um Schlussrechnungen, einbehaltene Sicherheiten, Förderabrechnungen oder noch ausstehende Bauleistungen handelt, enthält die veröffentlichte Haushaltsdarstellung nicht.
Gerade das ist der journalistische Kern: Wer „Bauende 2027“ kommuniziert und zugleich einen erheblichen Teil der Auszahlungen für 2028 einplant, sollte die Verbindung zwischen beidem nachvollziehbar machen.
600.000 Euro für 2026 sind nicht die ganze Geschichte
Die geringe Summe von 600.000 Euro im Haushalt 2026 darf nicht als Geldmangel dargestellt werden. Der Kreis begründet den niedrigen neuen Ansatz ausdrücklich mit rund 17,9 Millionen Euro Ermächtigungen aus Vorjahren, die Ende 2025 voraussichtlich noch zur Verfügung stünden.
Haushaltsansätze sind zudem keine bereits erfolgten Zahlungen. Sie zeigen, was die Verwaltung für ein Haushaltsjahr veranschlagt oder über Ermächtigungen noch ausgeben darf. Sie belegen nicht, wie viel tatsächlich an Westconnect oder Bauunternehmen geflossen ist.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Warum gibt der Kreis 2026 nur 600.000 Euro aus?“ Die belastbare Frage lautet: Welche Leistungen und Abrechnungen sollen mit den 15,1 Millionen Euro im Jahr 2028 finanziert werden, obwohl der Bau nach dem veröffentlichten Plan Ende 2027 abgeschlossen sein soll?
Der Ausbau ist sichtbar begonnen – aber noch nicht überall nutzbar
Der Kreis meldete im Juni 2026, dass 665 Hausanschlüsse gebaut seien. Die meisten davon seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht funktionstüchtig gewesen, weil Zuführungen und Verteiltechnik fehlten. Als erstes Gebiet war Urbar seit Mai 2026 aktiviert.
Das zeigt: Zwischen Tiefbau, Hausanschluss, Netztechnik und tatsächlich nutzbarem Anschluss liegen mehrere Arbeitsschritte. Auch deshalb kann ein Bauziel nicht automatisch mit dem Zeitpunkt der letzten Zahlung gleichgesetzt werden.
Westconnect hatte beim Spatenstich im Oktober 2024 mitgeteilt, die Tiefbauarbeiten sollten voraussichtlich Ende 2027 abgeschlossen sein. Der Kreis selbst spricht auf seiner Projektseite ebenfalls von einem vorläufigen Bauzeitenplan. Einen veröffentlichten, verbindlichen Terminplan für die fünf Baulose, für die Aktivierungen und für die finanzielle Schlussabwicklung gibt es in den geprüften Unterlagen nicht.
Von 3.500 auf 2.300 Adressen
Bereits der Vergleich der Haushaltsunterlagen zeigt, wie stark sich die Planung verändert hat. Im Haushaltsplan 2024 ging der Kreis noch von knapp 3.500 Adressen und einem Kostenrahmen von 67,3 Millionen Euro aus. Der später vergebene Ausbau umfasst rund 2.300 Adressen bei einem Volumen von rund 63 Millionen Euro.
Rechnerisch stieg der Wert je geplanter Adresse dadurch deutlich. Aus diesem Vergleich lässt sich aber keine Kostensteigerung ableiten: Die 2024er Zahl war eine frühe technische Kostenschätzung, die spätere Zahl bezieht sich auf die konkrete Vergabe. Es sind unterschiedliche Planungsstände und möglicherweise unterschiedliche Adresskulissen.
Der Kreis weist zugleich darauf hin, dass Adressen mit kommerziell angekündigtem Ausbau nicht förderfähig sind. Das kann erklären, warum sich der förderfähige Projektzuschnitt verringerte. Die veröffentlichten Unterlagen legen jedoch nicht offen, welche Adressen zwischen früher Planung und Vergabe weggefallen, hinzugekommen oder in einen privatwirtschaftlichen Ausbau überführt worden sind.
Die höhere Fördersumme ist kein belegter Kostenanstieg
In der offiziellen Liste der Zuschlagsgewinner des Bundes erscheint für den Rhein-Hunsrück-Kreis eine Gesamtfinanzierung von rund 64,95 Millionen Euro. Diese Zahl widerspricht dem Kreisvolumen von rund 63 Millionen Euro nicht automatisch: Die Bundesliste weist ausdrücklich zusätzlich einen Absicherungsbetrag aus.
Aus den Unterlagen ergibt sich deshalb kein belastbarer Nachweis einer nachträglichen Kostenexplosion. Die unterschiedliche Darstellung zeigt aber, wie schwer das Projekt für Außenstehende nachzuvollziehen ist: Kreis, Land und Bund veröffentlichen Zahlen in verschiedenen Förder- und Haushaltslogiken.
Was belegt ist – und was der Kreis erklären sollte
Belegt ist: Der Rhein-Hunsrück-Kreis plant einen großen, überwiegend aus Bundes- und Landesmitteln finanzierten Glasfaserausbau. Belegt ist auch: Der Kreis nennt Ende 2027 als vorläufiges Bauziel, während der Haushaltsentwurf noch 15,1 Millionen Euro Auszahlungen für 2028 vorsieht.
Nicht belegt ist ein Bauverzug. Ebenso wenig belegen die Zahlen eine Verschwendung oder Finanzierungslücke.
Offen bleibt jedoch, ob die Rate 2028 allein der finanziellen Schlussabwicklung dient oder ob sie noch Bau- und Inbetriebnahmeleistungen abdecken soll. Diese Frage könnte der Kreis mit einer einfachen, öffentlichen Aufschlüsselung beantworten: Baufortschritt je Los, Zahl gebauter und aktivierter Anschlüsse, bereits gezahlte Mittel, erwartete Schlussrechnungen und Zweck der 2028 vorgesehenen Auszahlungen.
Erst eine solche Soll-Ist-Übersicht würde Bürgern, Ortsgemeinden und Kreistag zeigen, ob das Projekt auf Kurs ist – und was „Fertigstellung Ende 2027“ im konkreten Fall tatsächlich bedeutet.
Quellen
- Rhein-Hunsrück-Kreis – Geförderter Gigabitausbau
- Rhein-Hunsrück-Kreis – Haushaltsplanentwurf 2026, Maßnahme 1209, Seite 92
- Rhein-Hunsrück-Kreis – Haushaltsplan 2025, Seite 92
- Rhein-Hunsrück-Kreis – Haushaltsplan 2024, Seite 91
- Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung – Liste der Zuschlagsgewinner
- Westconnect – Spatenstich im geförderten Gigabitausbau in Urbar
Fehler entdeckt?
Schreiben Sie uns an redaktion@2halb3.de. Wir prüfen sachliche Hinweise und korrigieren Fehler transparent.
Stellungnahme:
Betroffene, Verantwortliche, Behörden, Betriebe und weitere Beteiligte können uns eine Stellungnahme übermitteln. Eingehende Stellungnahmen werden redaktionell geprüft und – sofern für den Sachverhalt relevant – gegebenenfalls als transparent gekennzeichnetes Update berücksichtigt.

Noch kein Kommentar vorhanden