evm und VG Wirges weisen einen Einfluss des Regionalbeirats auf das Windkraftprojekt zurück. Die Stellungnahmen entkräften wichtige Vermutungen. Aus der VG Selters sowie aus Quirnbach und Vielbach kamen bis zum Redaktionsschluss jedoch keine Antworten.
evm und VG Wirges weisen Beiratseinfluss zurück – aus Selters fehlen Antworten
Der evm-Regionalbeirat hat nach übereinstimmenden Angaben der Energieversorgung Mittelrhein und der Verbandsgemeinde Wirges keine Beschlusskompetenz. Er besitzt keine eigene Satzung, tagt in der Regel einmal jährlich und soll ausschließlich dem Informationsaustausch zwischen der evm und ihren kommunalen Partnern dienen.
Auch der geplante Windpark „Drei Eichen“ sei in diesem Gremium noch nie behandelt worden. Nach Angaben der VG Wirges war das Projekt ebenso wenig Thema der evm-Hauptversammlung.
Diese Aussagen entkräften wesentliche Vermutungen aus der bisherigen Debatte. Es gibt weiterhin keinen Beleg dafür, dass der Regionalbeirat zur Vorbereitung des Windparks genutzt wurde oder Alexandra Marzi und Oliver Götsch dort Einfluss auf das Projekt genommen haben.
Die Antworten klären jedoch nicht, wann und auf welchem Weg das Windkraftprojekt außerhalb des Beirats vorbereitet wurde. Hinzu kommt: Während die evm und die VG Wirges Stellung bezogen, blieben Antworten aus der VG Selters und aus zwei der vier beteiligten Ortsgemeinden vollständig aus.
Mitgliedschaften bestanden schon vor der Projektvorstellung
Nach Angaben der evm sind alle Verbandsgemeinden ihres Versorgungsgebietes im Regionalbeirat vertreten. Die jeweiligen Personen beruft der Vorstand des Unternehmens.
Alexandra Marzi gehört dem Beirat demnach seit ihrem Amtsantritt als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Wirges im Jahr 2021 an. Oliver Götsch wurde nach Angaben der evm 2023 berufen.
Beide Mitgliedschaften bestanden damit bereits deutlich vor der öffentlichen Vorstellung des Windparks „Drei Eichen“. Das spricht gegen die Annahme, dass Marzi oder Götsch wegen dieses Projekts in den Beirat aufgenommen wurden.
Die VG Wirges erklärt, dass traditionell die Bürgermeister der Verbandsgemeinden und der Landrat dem Gremium angehörten. Der Regionalbeirat sei kein Beschlussorgan und verfüge über keinerlei Befugnisse.
Die evm bestätigt diese Darstellung. Das Unternehmen beschreibt den Beirat als reines Informationsgremium im Rahmen seiner kommunalen Partnerschaften. Eine eigene Satzung oder Geschäftsordnung gebe es nicht.
Das Projekt „Drei Eichen“ sei dort bislang noch nie vorgestellt oder beraten worden. Sollte dies künftig geschehen, könne eine solche Vorstellung nach Angaben der evm lediglich der Information dienen.
Für Alexandra Marzi weist die VG Wirges zudem auf die öffentlich einsehbaren Angaben zu ihren Ehrenämtern und Nebentätigkeiten hin. Danach erhielt sie 2025 ein Sitzungsgeld von 250 Euro für den Regionalbeirat und weitere 250 Euro für die Teilnahme an der evm-Hauptversammlung. Die Angaben würden jährlich den zuständigen Gremien und der Kommunalaufsicht vorgelegt.
Wer antwortete – und wer nicht?
2halb3-News hatte die beteiligten Verwaltungen, Bürgermeister und Ortsgemeinden getrennt um Stellungnahmen gebeten.
Die evm beantwortete die Fragen zum Regionalbeirat und zur Behandlung des Windparkprojekts. Für Alexandra Marzi sowie zu den Fragen an Helferskirchen und Leuterod übermittelte die VG Wirges eine gemeinsame Stellungnahme.
Eigene Antworten der Ortsgemeinden Helferskirchen und Leuterod gingen nicht ein. Aus der übermittelten Stellungnahme geht nicht hervor, ob und in welchem Umfang die beiden Ortsbürgermeister oder Ortsgemeinderäte an der Formulierung der gemeinsamen Antwort beteiligt waren.
Von der Verbandsgemeinde Selters beziehungsweise Bürgermeister Oliver Götsch lag bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor. Auch die Ortsgemeinden Quirnbach und Vielbach beantworteten die an sie gerichteten Fragen nicht.
Damit fehlt bislang die Selterser Darstellung zu zentralen Punkten: Wann erfuhr Oliver Götsch erstmals von den konkreten Windparkplänen? Welche Gespräche führte er in seiner Funktion als Bürgermeister der VG Selters? Wann informierte die Verwaltung die betroffenen Ortsgemeinden? Und war seine Mitgliedschaft im evm-Regionalbeirat in den kommunalen Beratungen bekannt?
Ebenfalls unbeantwortet blieb die Frage, wie hoch Götschs Sitzungsgeld für seine Tätigkeit im Regionalbeirat war. Eine öffentlich abrufbare Beschlussvorlage der VG Selters zu seinen Ehrenämtern, Nebentätigkeiten und Einkünften verweist auf eine beigefügte Aufstellung. In der veröffentlichten Datei fehlte diese Anlage.
Aus dem Ausbleiben einer Antwort folgt kein Beleg für ein Fehlverhalten. Schweigen ersetzt jedoch auch keine nachvollziehbare Darstellung. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es journalistisch geboten, offenzulegen, welche Verantwortlichen konkrete Auskünfte geben und welche ihre Sicht bis zum Redaktionsschluss nicht darlegen.
Sollten weitere Stellungnahmen eingehen, wird 2halb3-News diese prüfen und den Beitrag entsprechend ergänzen.
Die Projektgespräche liefen außerhalb des Beirats
Die entscheidende Frage richtet sich nach den neuen Antworten nicht mehr auf den Regionalbeirat. Sie richtet sich auf die Entstehung des Projekts außerhalb dieses Gremiums.
Die evm erklärt, dass die betroffenen Ortsgemeinden seinerzeit auf das Unternehmen zugekommen seien. Sie hätten gefragt, ob die evm Interesse daran habe, in dem Gebiet Windenergieanlagen zu errichten. Anschließend habe das Unternehmen den Standort untersucht und ein Angebot unterbreitet.
Welche Ortsgemeinde den ersten Kontakt herstellte, wann dies geschah und wer an den ersten Gesprächen beteiligt war, nennt die evm in ihrer Antwort nicht.
Die VG Wirges bestätigt, dass es projektbezogene Abstimmungen gab. Daran seien Helferskirchen und Leuterod, die betroffenen Ortsgemeinden der VG Selters sowie die evm beteiligt gewesen. Die Verwaltung bezeichnet diese Kontakte als die bei einem solchen Vorhaben üblichen Abstimmungen.
Die öffentlichen Informationen der VG Wirges sprachen im Oktober 2025 wiederum von Interessensbekundungen verschiedener Unternehmen und von einzelnen Präsentationen in den Ortsgemeinderäten. Die evm beschreibt den Beginn aus einer anderen Perspektive: Die Initiative sei von den beteiligten Ortsgemeinden ausgegangen.
Beide Darstellungen müssen sich nicht widersprechen. Gemeinden können Unternehmen ansprechen, während gleichzeitig mehrere Projektierer Interesse bekunden. Ohne eine nachvollziehbare Zeitachse bleibt jedoch offen, wer den konkreten Prozess mit der evm anstieß und wann aus einer allgemeinen Standortsuche das Projekt „Drei Eichen“ wurde.
Für Dezember 2025 dokumentiert die VG Selters ein gemeinsames Abstimmungsgespräch. Beteiligt waren demnach die vier Ortsbürgermeister, die Bürgermeister der beiden Verbandsgemeinden sowie weitere kommunale Vertreter. Dabei ging es unter anderem um die Vorbereitung einer öffentlichen Informationsveranstaltung.
Im Februar 2026 stellte die evm das Vorhaben öffentlich vor. Nach der Projektbeschreibung des Unternehmens werden bis zu sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von rund 270 Metern geprüft. Die Anlagen sollen auf Flächen in Helferskirchen, Leuterod, Quirnbach und Vielbach entstehen.
Keine Verträge – aber laufende Verhandlungen
Die evm erklärt, das Verfahren laufe noch und bislang seien keine Verträge geschlossen worden.
Die VG Wirges spricht zugleich von laufenden Vertragsverhandlungen. Angelegenheiten der Ortsgemeinden, die Gegenstand solcher Verhandlungen seien, würden in nichtöffentlichen Teilen der Ratssitzungen beraten. Damit sollten die Interessen der Verhandlungspartner geschützt sowie mögliche Wettbewerbsnachteile vermieden werden.
Darin liegt kein zwingender Widerspruch. Vertragsverhandlungen können bereits laufen, obwohl noch kein Vertrag unterzeichnet wurde.
Die beiden Aussagen zeigen aber, dass das Projekt über eine unverbindliche Erstinformation hinausgegangen ist. Die evm hat den Standort untersucht und nach eigener Aussage ein Angebot unterbreitet. Gleichzeitig beraten die Ortsgemeinden über Angelegenheiten, die laut VG Wirges laufende Vertragsverhandlungen betreffen.
Offen bleibt, wann das Angebot vorgelegt wurde, was es umfasst und ob bereits Vertragsentwürfe, Flächensicherungen, Reservierungsvereinbarungen oder andere vorbereitende Unterlagen existieren. Darüber geben die vorliegenden Stellungnahmen keine Auskunft.
Die VG Wirges betont, dass mögliche Verträge ausschließlich mit den Ortsgemeinden geschlossen würden. Die Entscheidung über die Durchführung oder Nichtdurchführung des Projekts liege allein bei Helferskirchen, Leuterod, Quirnbach und Vielbach.
Das ist eine wichtige Klarstellung: Die Bürgermeister der Verbandsgemeinden entscheiden nicht allein über den Windpark. Die Ortsgemeinderäte tragen die politische Verantwortung für ihre jeweiligen kommunalen Entscheidungen.
Dennoch waren die Verbandsgemeinden an der Koordination, am Informationsaustausch und an gemeinsamen Gesprächen beteiligt. Welche konkrete Rolle Marzi und Götsch dabei spielten, lässt sich aus den bisherigen Antworten nur teilweise rekonstruieren.
Die Kritik der VG Wirges
Die VG Wirges kritisiert, dass 2halb3-News bereits über das Thema berichtet hatte, bevor ihre Stellungnahme vorlag. Nach Auffassung der Verwaltung konnten einzelne Formulierungen beim Leser den Verdacht eines Interessenkonflikts oder einer unzulässigen Einflussnahme entstehen lassen.
Diese Kritik nehmen wir ernst.
Unsere bisherige Berichterstattung stellte ausdrücklich klar, dass die Beiratsmitgliedschaften kein Beweis für Befangenheit, Einflussnahme oder ein anderes Fehlverhalten sind. Die neuen Antworten werden nun vollständig in die weitere Berichterstattung einbezogen.
Nach der derzeitigen Faktenlage gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Marzi oder Götsch im Regionalbeirat auf das Windparkprojekt eingewirkt haben. Ebenso liegt kein Nachweis dafür vor, dass „Drei Eichen“ in diesem Gremium behandelt wurde.
Die Aussagen von evm und VG Wirges schwächen damit die Vermutung eines projektbezogenen Zusammenhangs zwischen den Beiratsmitgliedschaften und dem geplanten Windpark deutlich ab.
Sie beantworten jedoch nicht sämtliche Fragen zur Entstehung des Vorhabens außerhalb des Regionalbeirats. Transparenz über die Projektgespräche ist nicht gleichbedeutend mit einem strafrechtlichen oder kommunalrechtlichen Verdacht. Es geht um die nachvollziehbare Vorbereitung einer Entscheidung, die vier Gemeinden und ihre Bürger über Jahrzehnte betreffen kann.
Nicht der Beirat, sondern die Zeitachse bleibt offen
Der bisherige Rechercheansatz muss nach den neuen Antworten präzisiert werden: Der Regionalbeirat war nach übereinstimmenden Angaben kein Beratungs- oder Entscheidungsort für „Drei Eichen“. Die Mitgliedschaften von Marzi und Götsch bestanden bereits Jahre vor der öffentlichen Vorstellung des Projekts.
Offen bleibt dagegen die Zeitachse außerhalb des Beirats.
Wann trat welche Ortsgemeinde erstmals an die evm heran? Gab es zuvor Beschlüsse oder politische Absprachen? Wann legte die evm ihr Angebot vor? Welche Vertragsinhalte werden bereits verhandelt? Wann erfuhren die Ortsgemeinderäte von den konkreten Standorten und der Zahl der geplanten Anlagen? Und welche Rolle übernahmen die beiden Verbandsgemeinden bei der Vorbereitung?
Die VG Wirges hat dazu zumindest eine erste gemeinsame Einordnung vorgelegt. Helferskirchen und Leuterod äußerten sich nicht selbst. Aus Selters, Quirnbach und Vielbach fehlen weiterhin eigene Antworten.
Gerade weil bislang kein Fehlverhalten belegt ist, sollte es möglich sein, die Entstehung des Projekts anhand von Daten, Zuständigkeiten und Beschlüssen nachvollziehbar darzustellen.
2halb3-News wird die beiden bereits veröffentlichten Beiträge mit einem Hinweis auf die neuen Stellungnahmen ergänzen. Sollten die bislang schweigenden Stellen noch antworten, werden auch ihre Aussagen dokumentiert und eingeordnet.
Wer überprüfbare Unterlagen zu den ersten Projektgesprächen, Präsentationen, Angeboten oder kommunalen Beratungen besitzt, kann sich vertraulich an die Redaktion wenden.
Quellen
- Schriftliche Stellungnahme der evm gegenüber 2halb3-News
- Gemeinsame schriftliche Stellungnahme der VG Wirges zu den Anfragen an Alexandra Marzi sowie der Ortsgemeinden Helferskirchen und Leuterod
- Bis zum Redaktionsschluss keine eigenen Stellungnahmen der Ortsgemeinden Helferskirchen und Leuterod
- Bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahmen der VG Selters beziehungsweise von Oliver Götsch sowie der Ortsgemeinden Quirnbach und Vielbach
- evm: Pläne für Windkraftanlagen in den Verbandsgemeinden Wirges und Selters
- VG Wirges: Informationen zur Windenergie
- VG Selters: Abstimmungsgespräch und Informationsveranstaltung
- VG Wirges: Ehrenämter und Nebentätigkeiten der Bürgermeisterin
- 2halb3-News: Drei Eichen – zwei Bürgermeister im evm-Beirat
- 2halb3-News: evm-Beiräte – Einfluss ohne Alleinentscheidung

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