Dunkle KI-Fotomontage zum Windpark „Drei Eichen“: Über einem bewaldeten Westerwald-Höhenzug stehen mehrere Windenergieanlagen unter schweren Wolken. Ortsmotive aus Wirges und Selters sowie zwei leere Stühle an einem Besprechungstisch verweisen auf die kommunalpolitische Ebene. Ein gelber Ortsbalken trägt die Aufschrift „Wirges | Selters“. Die weiße Headline lautet „Zwei Bürgermeister im evm-Beirat“, darunter steht in Rot: „Wer wusste was – und wann?“

Alexandra Marzi und Oliver Götsch gehörten Ende 2025 dem Regionalbeirat des Windparkentwicklers evm an. Eine Pflichtverletzung beweist das nicht. Doch bei Vergütungen, Gesprächen und möglichen Interessenkonflikten fehlen öffentlich entscheidende Antworten.

Windpark „Drei Eichen“: Was wussten Marzi und Götsch – und was wussten die Räte?

Das Unternehmen plant sieben Windenergieanlagen zwischen Vielbach, Leuterod, Helferskirchen und Quirnbach. Die Bürgermeister der beiden betroffenen Verbandsgemeinden saßen zugleich in einem Gremium dieses Unternehmens. Alexandra Marzi aus Wirges und Oliver Götsch aus Selters gehörten zum 31. Dezember 2025 dem Regionalbeirat der Energieversorgung Mittelrhein AG an. Das geht aus dem geprüften evm-Jahresabschluss 2025 hervor.

Allein diese Mitgliedschaft beweist weder Befangenheit noch unzulässige Einflussnahme. Sie ist auch nicht geheim: Im Regionalbeirat sitzen zahlreiche Bürgermeister und Landräte aus dem Versorgungsgebiet. Trotzdem entsteht eine Verbindung, die bei einem umstrittenen Millionenprojekt nicht unter den Tisch gehört. Denn Marzi und Götsch leiten genau jene Verwaltungen, die bei der weiteren Planung des Windparks eine wichtige Rolle spielen. Bürger dürfen deshalb wissen, wann beide vom Projekt erfuhren, welche Gespräche sie mit der evm führten und ob die kommunalen Räte ihre evm-Funktion kannten.

Sieben Anlagen – und zwei Bürgermeister im evm-Gremium

Die evm plant bei „Drei Eichen“ in der maximalen Ausbauvariante sieben Anlagen der 7-Megawatt-Klasse. Sie sollen rund 270 Meter hoch werden und zusammen etwa 50 Megawatt leisten. Das Unternehmen rechnet mit jährlich rund 120 Millionen Kilowattstunden Strom. Die möglichen Standorte liegen überwiegend auf kommunalen Flächen; eine weitere Fläche gehört nach Angaben der evm dem Fürstenhaus zu Wied. Eine Inbetriebnahme hält das Unternehmen frühestens 2031 für möglich.

Pachten, Gewerbesteuern und Zahlungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sollen Geld in die Region bringen. Gleichzeitig entscheiden die Kommunen über planerische Voraussetzungen, Verträge und die Nutzung ihrer Grundstücke. Damit treffen politische Verantwortung und wirtschaftliche Interessen unmittelbar aufeinander. Genau an dieser Stelle braucht es mehr als freundliche Informationsveranstaltungen und das Versprechen eines „transparenten Dialogs“.

Über den Widerstand, die geplanten Dimensionen und die offenen Finanzfragen hat 2halb3 bereits im Beitrag „Windpark Drei Eichen: Streit um Wald, Geld und Bürgerwille“ berichtet. Die neue Recherche richtet den Blick nun auf die Verbindung zwischen den kommunalen Entscheidungswegen und dem Unternehmen, das den Windpark entwickeln will.

Bei Marzi stehen 250 Euro – bei Götsch fehlt die Anlage

Für Alexandra Marzi liegt inzwischen eine konkrete Zahl vor. Die Veröffentlichung der Verbandsgemeinde Wirges zu ihren Tätigkeiten und Einkünften weist für 2025 ein Sitzungsgeld von 250 Euro für den evm-Regionalbeirat aus. Weitere 250 Euro erhielt sie demnach für ihre Teilnahme an der evm-Hauptversammlung.

Die Beträge sind überschaubar. Gerade deshalb sollte eine Erklärung leichtfallen: Seit wann gehört Marzi dem Beirat an? Wen vertritt sie dort? Wurde „Drei Eichen“ in diesem Gremium oder bei anderen evm-Terminen besprochen? Wann erfuhren die betroffenen Räte von ihrer Funktion?

Bei Oliver Götsch bleibt bereits die Höhe der Vergütung öffentlich unklar. Der Verbandsgemeinderat Selters behandelte am 10. März 2026 unter Tagesordnungspunkt 10 die „Anzeige von Ehrenämtern und Nebentätigkeiten des Bürgermeisters“. Die dazugehörige Beschlussvorlage verweist nach Auswertung von 2halb3 auf eine Aufstellung der Tätigkeiten und Einkünfte für 2025. In der öffentlich erreichbaren Datei fehlt diese Aufstellung jedoch. Ob ein technischer Fehler, eine unvollständige Veröffentlichung oder ein anderer Grund dahintersteckt, ist bislang offen.

Genau das ist das Problem: Eine Verwaltung kann Transparenz nicht nur beschließen. Sie muss die entscheidenden Angaben auch zugänglich machen. Wenn eine Vorlage eine Anlage ankündigt und die Öffentlichkeit diese Anlage nicht findet, bleibt von der Offenlegung nur die Überschrift.

Zur Klarstellung: Die im evm-Jahresabschluss genannten 415.000 Euro beziehen sich auf die Gesamtvergütung des Aufsichtsrats. Marzi und Götsch gehörten nach den geprüften Unterlagen nicht diesem Aufsichtsrat, sondern dem Regionalbeirat an. Die Summe darf ihnen daher nicht zugerechnet werden.

Kein Korruptionsbeleg – aber ein klarer Transparenzkonflikt

2halb3 liegen bislang keine Belege dafür vor, dass der Windpark im Regionalbeirat behandelt wurde. Ebenso wenig können wir derzeit nachweisen, dass Marzi oder Götsch wegen „Drei Eichen“ persönliche Vorteile erhielten, auf Ratsmitglieder einwirkten oder gegen Ausschließungsregeln verstießen. Behauptungen über Bestechung oder Stimmenkauf wären nach dem aktuellen Recherchestand nicht gedeckt.

Damit endet die Recherche aber nicht. Im Gegenteil: Wer einen solchen Verdacht vermeiden will, muss nachvollziehbare Antworten liefern. Wann begannen die Kontakte zur evm? Welche Termine fanden vor den kommunalen Beschlüssen statt? Wer saß dabei am Tisch? Legten die Bürgermeister ihre Funktion offen? Prüften die Verwaltungen mögliche Interessenkonflikte? Existieren private Flächen-, Wege- oder Nutzungsverträge mit kommunalen Mandatsträgern oder ihnen nahestehenden Personen?

Eine Beiratsmitgliedschaft muss kein Skandal sein. Schweigen, unvollständige Unterlagen und unklare Rollen können jedoch Vertrauen zerstören. Bürger müssen nicht erst ein Fehlverhalten beweisen, bevor Verwaltungen ihre Entscheidungswege erklären. Transparenz ist keine Belohnung für einen fertigen Verdacht. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass ein Verdacht gar nicht erst entsteht.

Acht Anfragen – jetzt zählen klare Antworten

2halb3-News hat deshalb Presseanfragen an Alexandra Marzi und die Verbandsgemeinde Wirges, Oliver Götsch und die Verbandsgemeinde Selters, die vier betroffenen Ortsgemeinden, die evm sowie die Kommunalaufsicht des Westerwaldkreises versendet. Der Redaktionsschluss endet am Dienstag, 1. September 2026, um 12 Uhr.

Wir fragen nach Mitgliedschaften, Vergütungen, Gesprächsterminen, Informationswegen, Verträgen und der Prüfung möglicher Interessenkonflikte. Die Kommunalaufsicht soll außerdem erklären, welche Anzeigen oder Genehmigungen vorliegen und ob sie die Entscheidungen rund um „Drei Eichen“ bereits geprüft hat.

Acht konkrete Fragen pro Empfänger sind beantwortbar. Pauschale Stellungnahmen, Zuständigkeitsverweise oder Textbausteine ersetzen keine Antworten. 2halb3 wird nach Ablauf der Frist offenlegen, wer welche Frage beantwortet hat – und wer nicht. Fehlende Antworten beweisen kein Fehlverhalten. Sie zeigen aber, wie ernst Politik, Verwaltung und Unternehmen ihr eigenes Transparenzversprechen nehmen.

Die evm erklärt in ihrer Projektvorstellung, sie wolle auf sachlicher Ebene und auf Grundlage von Fakten diskutieren. Daran lässt sich das Unternehmen nun messen. Dasselbe gilt für die beteiligten Bürgermeister, Räte und Verwaltungen.

Haben Sie an Sitzungen oder Gesprächen zum Windpark teilgenommen? Besitzen Sie Einladungen, Protokolle, Vertragsentwürfe, Karten oder andere überprüfbare Unterlagen? Wurde die Mitgliedschaft von Marzi oder Götsch in einem kommunalen Gremium angesprochen? Dann schreiben Sie uns. Hinweise behandeln wir auf Wunsch vertraulich.

Gerüchte allein helfen nicht weiter. Dokumente, eigene Beobachtungen und konkret benannte Vorgänge schon.

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