Nächtliche, redaktionell gestaltete Collage aus Schloss Mengerskirchen, Maienburg, Waldernbacher Kirche und Probbacher Backes. Gelber Ortsbalken: Landkreis Limburg-Weilburg | Mengerskirchen.

Mengerskirchen baut an einem digitalen Abbild des Gemeindegebiets. Der Auftrag ist vergeben, das Gemeinschaftsprojekt mit Hofbieber erhält 509.000 Euro Landesförderung. Öffentlich nicht nachvollziehbar sind jedoch Auftragnehmer, Zuschlagssumme, Vertragslaufzeit und spätere Hostingkosten. Damit bleibt offen, welchen konkreten Nutzen Bürger sehen werden – und was das Projekt dauerhaft kostet.

Mengerskirchen baut am Datenmodell – doch zentrale Kosten bleiben unsichtbar

Mengerskirchen will sein Gemeindegebiet digital abbilden – mit Gebäuden, Straßen, Grünflächen, Leitungen, Klimadaten und späteren Simulationen. Die öffentliche Vergabebekanntmachung zeigt: Der Auftrag für den digitalen Zwilling ist vergeben. Doch ausgerechnet zentrale Informationen zur Umsetzung sind öffentlich bislang nicht nachvollziehbar. Weder der Auftragnehmer noch die Zuschlagssumme, Vertragsdauer oder die laufenden Kosten der gehosteten Lösung werden in den verfügbaren Unterlagen genannt.

Im Überblick: Auftrag vergeben · 509.000 Euro Förderung · Daten und Befliegung · Transparenzlücke · Was belegt ist

Das Wichtigste: Das Land fördert das gemeinsame Vorhaben von Mengerskirchen und Hofbieber mit 509.000 Euro. Der Marktflecken Mengerskirchen soll einen eigenen digitalen Zwilling aufbauen. Belegt sind Förderrahmen, Zielrichtung und ein konkreter Leistungsumfang. Offen bleiben Preis, Auftragnehmer, Kostenverteilung und der spätere öffentliche Zugang.

Der Auftrag ist vergeben

Die Vergabebekanntmachung des Marktfleckens Mengerskirchen macht deutlich: Das Projekt ist mehr als eine Digitalisierungsankündigung. Ausgeschrieben und vergeben wurden unter anderem eine Treibhausgasbilanz, Analysen zu Emissionen und Kompensationsmöglichkeiten sowie Simulationen unterschiedlicher Wege zur Klimaneutralität. Grundlage soll eine Datenplattform als digitaler Zwilling des Gemeindegebiets sein.

Vorgesehen sind außerdem KI-gestützte Prozesse zur Erfassung und Auswertung von Daten sowie eine gehostete Softwarelösung mit Zugriff auf die Projektdatenbank des kommunalen GIS. Die Veröffentlichung ist als nationale Ex-post-Bekanntmachung gekennzeichnet. Das bedeutet: Der Auftrag wurde bereits vergeben. Die Vergabebekanntmachung nennt in ihrer öffentlichen Fassung jedoch weder den Auftragnehmer noch die Zuschlagssumme.

509.000 Euro für zwei Kommunen

Am 4. August 2025 bewilligte das Land Hessen für Hofbieber und Mengerskirchen gemeinsam 509.000 Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“. Gefördert wird eine urbane Datenplattform, die Planungs-, Umwelt-, Verkehrs- und Energiedaten verknüpfen soll. Das Land nennt als mögliche Anwendungen unter anderem die Planung von Baumpflanzungen, Straßensanierungen und Rückhaltebecken gegen Starkregen. Das Digitalministerium beschreibt Förderung und Projektziele hier.

Der gemeinsame Förderbetrag ist allerdings nicht der Preis des vergebenen Einzelauftrags für Mengerskirchen. Bürgermeister Daniel Melchert hatte im September 2025 für das Gemeinschaftsprojekt einen kommunalen Eigenanteil von zehn Prozent genannt. Wie Förderung, Eigenanteil und spätere laufende Kosten zwischen Hofbieber und Mengerskirchen verteilt werden, geht aus den öffentlich verfügbaren Unterlagen nicht hervor. Der Bürgermeisterbericht vom 2. September 2025 beschreibt das Vorhaben und seinen geplanten Umfang.

Vom 3D-Bild zur Klimasimulation

Der digitale Zwilling soll weit mehr sein als eine dreidimensionale Ansicht von Häusern. Nach dem Bürgermeisterbericht sollen Straßen, Gebäude, Wald- und Grünflächen, Ver- und Entsorgungsleitungen, Sport- und Spielplätze sowie Daten zur CO₂-Bilanz digital zusammengeführt werden. Später könnten weitere Planungsdaten hinzukommen.

Im Juli 2026 kündigte die Gemeinde zudem eine etwa einwöchige Drohnenbefliegung des gesamten Gemeindegebiets an. Die Befliegung sollte die Grundlage für ein dreidimensionales Abbild schaffen und unter anderem Starkregen-Simulationen ermöglichen. Die Gemeindemeldung belegt diese Ankündigung. Sie belegt nicht, wann die Erfassung vollständig abgeschlossen wurde oder welche Datenqualität daraus entstanden ist.

Förderung sichtbar, Vergabe kaum nachvollziehbar

Genau hier beginnt die entscheidende Transparenzfrage. Die Gemeinde soll mit dem Projekt langfristig besser planen, Klima- und Umweltdaten auswerten und Entscheidungen nachvollziehbarer machen. Für Bürger kann das nützlich sein – etwa bei Starkregenvorsorge, Bauplanung oder der Frage, welche kommunalen Daten öffentlich zugänglich werden.

Doch die Grundlage des Projekts bleibt selbst lückenhaft dokumentiert. Öffentlich nicht nachvollziehbar sind bisher der Auftragnehmer, die konkrete Zuschlagssumme, die Vertragsdauer, Datenhaltung und Nutzungsrechte, Folgekosten sowie der Aktualisierungsrhythmus. Auch die Frage, ob Bürger später ein verständliches, frei zugängliches Portal nutzen können oder ob die Plattform vor allem ein Verwaltungswerkzeug bleibt, ist offen.

Das ist kein Vorwurf gegen das Projekt oder seine Umsetzung. Es ist eine berechtigte Frage an ein Vorhaben, das mit Transparenz und besseren Entscheidungen begründet wird: Welche Leistung wurde eingekauft, was kostet sie dauerhaft – und was davon wird für Bürger tatsächlich sichtbar?

Was belegt ist – und was noch fehlt

Belegt sind die gemeinsame Förderung von 509.000 Euro, der kommunale Eigenanteil von zehn Prozent nach dem Bürgermeisterbericht, die Auftragsvergabe sowie der beschriebene technische Leistungsumfang. Offen bleiben die Zuschlagssumme, der Auftragnehmer, die Vertragslaufzeit, die dauerhaften Betriebs- und Hostingkosten und der konkrete öffentliche Zugang.

Klarheit kann ein Vergabevermerk, ein Haushaltsansatz, ein Vertragsbeschluss oder eine öffentliche Projektvorstellung schaffen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob der digitale Zwilling für Mengerskirchen zu einem nachvollziehbaren Bürgerwerkzeug wird – oder überwiegend ein internes System der Verwaltung bleibt.

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