Gebäudefreies Baustellenmotiv mit Asphalt, Absperrbaken und Straßenarbeiten. Auf der Grafik stehen „WIRGES“, „UPDATE“ und der Hinweis auf neue Fakten zu den Straßenbaukosten.

VG und LBM beantworten Presseanfragen von 2halb3. Das Blindenleitsystem in der Schlesischen Straße soll bleiben. Bei der Bahnhofstraße zeigen die Pläne jedoch: 5,48 Millionen Euro bilden längst nicht alle veranschlagten Maßnahmen ab.

Straßenbau in Wirges: Neue Fakten – und eine deutlich größere Rechnung

Die Bahnhofstraße steht mit 5,48 Millionen Euro im Haushaltsplan der Stadt Wirges. Das ist allerdings nur der kommunale Teil für Straße, Gehwege und Beleuchtung. In den Wirtschaftsplänen der Verbandsgemeindewerke kommen mehrjährige Ansätze von 3,2 Millionen Euro für Abwasser und eine Million Euro für die Wasserversorgung hinzu. Außerdem erscheinen dort 80.000 Euro für eine Pumpanlage an der Bahnhofstraße.

Damit stehen in den öffentlichen Plänen Maßnahmen von bis zu 9,76 Millionen Euro im Umfeld des Projekts. Das sind keine Schlussrechnungen, sondern Haushalts- und Planwerte über mehrere Jahre. Ob sämtliche Positionen zum selben Bauabschnitt gehören und wie die Finanzierung am Ende aussieht, hat die Verwaltung in ihrer Antwort nicht aufgeschlüsselt.

Am 7. August beantwortete die Verbandsgemeindeverwaltung nach eigener Aussage „in Absprache mit der Stadt Wirges“ drei Presseanfragen von 2halb3. Der Landesbetrieb Mobilität Diez, kurz LBM, lieferte separat neue Angaben zur Bahnhofstraße und zur L 300. Einige Punkte sind nun geklärt. Andere Fragen stehen deutlicher im Raum als zuvor.

Bahnhofstraße: Millionen eingeplant, Variante noch offen

Die VG erklärt, für die Bahnhofstraße laufe derzeit erst die Grundlagenermittlung. Deshalb gebe es noch keine Planungsvarianten. Gleichzeitig verteilt der Haushaltsplan der Stadt Wirges für 2026 die 5,48 Millionen Euro bereits auf mehrere Jahre: 300.000 Euro waren bis zum Haushaltsvorjahr eingeplant, 150.000 Euro stehen für 2026 im Ansatz, 2,03 Millionen Euro folgen 2027 und drei Millionen Euro 2028.

Der Wirtschaftsplan der VG Wirges für 2026 nennt zusätzlich 3,2 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt der Abwasseranlagen zwischen 2026 und 2029. Für Wasserleitungen erscheinen im gleichen Zeitraum insgesamt eine Million Euro. Eine Pumpanlage an der Bahnhofstraße schlägt mit weiteren 80.000 Euro zu Buche.

Die öffentliche Zahl von 5,48 Millionen Euro beschreibt damit nicht das gesamte finanzielle Umfeld der Maßnahme. Wie hoch die Gesamtbelastung ausfällt, welche Positionen zwingend zusammengehören und wie viel Fördermittel, Gebühren oder Beiträge abdecken, bleibt offen.

Der LBM liefert einen weiteren wichtigen Punkt: Friedrichstraße, Dr.-Luschberger-Straße und der untere Abschnitt der Bahnhofstraße bilden derzeit weiterhin die Landesstraße L 300. Das Land trägt dort noch die Straßenbaulast. Eine Übertragung auf die Stadt Wirges ist zwar vorgesehen, eine Vereinbarung dazu existiert laut LBM aber bislang nicht.

Im Gegenzug soll der Streckenzug Daimlerstraße und Steinerne Brücke zur L 300 aufgestuft werden. Der LBM begründet die geplante Neuordnung mit einer geringeren überörtlichen Bedeutung der unteren Bahnhofstraße. Die Ortsumgehung habe bereits seit 2009 Verkehr verlagert. Der geplante Umbau am Knoten L 300/K 142 solle diesen Effekt verstärken.

Für genau diesen Knoten liegen dem LBM bereits Variantenuntersuchungen, Verkehrszählungen und Zustandsbewertungen vor. Das widerspricht der VG-Aussage zu fehlenden Varianten für die Bahnhofstraße nicht zwingend: Der LBM spricht vom Knotenpunkt, die VG vom kommunalen Straßenausbau. Für die Öffentlichkeit wäre diese Abgrenzung trotzdem wichtig. Übersandt wurden die Untersuchungen der Redaktion nicht.

107.712 Euro ermittelt – aber noch keine Vereinbarung

Der LBM nennt für die geplante Übernahme von Friedrichstraße, Dr.-Luschberger-Straße und unterer Bahnhofstraße einen 2022 ermittelten Ausgleichsbetrag von 107.712 Euro. Im städtischen Haushalt erscheinen gerundet 107.700 Euro als Einzahlung aus der Abstufung. Der LBM berichtet jedoch nicht von einer Auszahlung, sondern von einer Berechnung. Zugleich bestätigt er, dass die Vereinbarung zur Übertragung noch fehlt.

Davon zu trennen ist ein älterer Vorgang: Der obere Teil der Bahnhofstraße wurde zum 1. April 2021 zur Gemeindestraße abgestuft. Die Siemensstraße ging zum 1. Juni 2021 in die L 300 über. Nach der Verrechnung der damaligen Zustandsbewertungen erhielt die Stadt nach Angaben des LBM 34.800 Euro.

Zwei Umstufungen, zwei Beträge, zwei verschiedene Sachverhalte: Wer 34.800 Euro und 107.712 Euro in einen Topf wirft, produziert mehr Nebel als Klarheit.

Schlesische Straße: Leitsystem bleibt

Bei der Schlesischen Straße räumt die Antwort eine zentrale Sorge aus. Nach Darstellung der VG war zu keinem Zeitpunkt geplant, die taktilen Querungshilfen zu streichen. Das Blindenleitsystem soll also bleiben.

Die Verwaltung habe eine Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen im Dezember 2025 beteiligt. Inzwischen habe auch der Sozialverband VdK dem Planungsbüro seine Beurteilung geschickt und auf die anerkannten Regeln der Technik verwiesen. Der Ausbau begann laut VG in der Kalenderwoche 32.

Diese Klarstellung gehört ausdrücklich in das Update. Genauso gehört die vollständige Kostenperspektive hinein. Der städtische Haushaltsplan enthält für Straße, Gehwege und Beleuchtung 1,2 Millionen Euro. Hinzu kommen laut Wirtschaftsplan mehrjährige Ansätze von 792.000 Euro für Abwasser und 244.000 Euro für Wasser. Zusammen ergeben die drei Planwerke 2,236 Millionen Euro an projektbezogenen Ansätzen.

Auch hier gilt: Ein Haushaltsansatz ist keine Schlussrechnung. Die Verwaltung hat jedoch selbst erklärt, dass der städtische Plan nur den Straßenkörper, die Beleuchtung und die Gehwege abbildet, während der Wirtschaftsplan Entwässerung und Wasserversorgung enthält. Wer nur die 1,2 Millionen Euro nennt, zeigt deshalb lediglich einen Teil der finanziellen Dimension.

Für den Straßenbau trägt die Stadt nach der geltenden Satzung 40 Prozent. Die übrigen 60 Prozent fließen grundsätzlich über wiederkehrende Ausbaubeiträge. Im Haushalt stehen für die Schlesische Straße insgesamt 740.000 Euro an Einzahlungen. Wie sich dieser Betrag konkret zusammensetzt und welche Belastung einzelne Eigentümer erwartet, beantwortete die Verwaltung nicht.

Zwölf Baustraßen – aber kein Zeitplan

Neu ist außerdem die vollständige Liste der Straßen, die noch als Baustraßen gelten: Verlängerung Birkenweg, Am Bahndamm, Verlängerung Kannenbeckerweg, Am Eschenacker, Auf der Tränk, Am Massenberg, Am Walde, Mengenweide, Boschring, Dieselstraße, Ernst-Koch-Straße und Wirgeser Weg.

Wann diese Straßen endgültig hergestellt werden, bleibt offen. Die VG verweist auf Haushaltslage, Priorisierung und künftige Ratsentscheidungen. Für Anwohner bedeutet das: Die Namen stehen fest, ein belastbarer Fahrplan nicht.

Nach Angaben der Verwaltung bestimmen drei Faktoren die Reihenfolge der Projekte. Eine Untersuchung aller Wirgeser Straßen aus dem Jahr 2024 ordnete die Straßen in Schadensklassen ein. Hinzu kommen Maßnahmen aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept sowie die Fertigstellung ehemaliger Baustraßen. Die VG-Werke stimmen Kanal- und Wasserarbeiten mit dem Straßenbau ab.

Das erklärt das System, aber noch nicht jede Entscheidung. Die Redaktion hatte nach Planungsständen, Baubeginn, Abschluss, ursprünglichen und aktuellen Kosten sowie nach der konkreten Priorisierung der einzelnen Projekte gefragt. Diese Angaben fehlen.

Öffentliche Links ersetzen keine konkrete Antwort

Bei Planungsvergaben verweist die VG pauschal auf das Ratsinformationssystem. Dort seien die Aufträge öffentlich zugänglich. Gefragt hatte 2halb3 jedoch konkret, welche Leistungen an welche Büros gingen, welche Auftragssummen galten und welche Nachträge hinzukamen. Eine Zuordnung lieferte die Verwaltung nicht.

Unbeantwortet blieben außerdem die endgültigen Kosten des fertigen Kreisverkehrs Rolandstraße, mögliche Mängel oder offene Abrechnungen. Die VG-Werke nannten weder Alter und Zustand der Leitungen noch beauftragte Unternehmen, Nachträge, Starkregenberechnungen oder konkrete Kostenrisiken. Zur Baustellenkoordination erklärt die Verwaltung lediglich, Belastungen so gering wie möglich halten zu wollen.

Das ist ein Ziel, aber kein Terminplan.

Die Antworten von VG, Stadt und LBM schaffen damit mehr Klarheit als zuvor. Sie zeigen zugleich, wie leicht einzelne Millionenbeträge ein schiefes Bild erzeugen können. Straße, Kanal und Wasser laufen in getrennten Haushalten – gebaut wird am Ende trotzdem am selben Ort.

2halb3 wird die vorliegenden Angaben weiter abgleichen. Besonders offen bleiben die Gesamtfinanzierung der Bahnhofstraße, die konkrete Belastung der Eigentümer, die vollständigen Vergabe- und Nachtragsdaten sowie die Verkehrsuntersuchungen des LBM.

Sind Sie von einem der Projekte betroffen? Haben Sie Beitragsbescheide, Terminangaben oder Erfahrungen mit den Baustellen in Wirges? Schreiben Sie uns vertraulich an redaktion@2halb3.de.

Zahlencheck der Redaktion

MaßnahmeStadt: Straße, Gehwege, LichtAbwasserWasserSumme der veröffentlichten Planansätze
Schlesische Straße1.200.000 €792.000 €244.000 €2.236.000 €
Jahnstraße2.050.000 €1.920.000 €748.000 €4.718.000 €
Bahnhofstraße5.480.000 €3.200.000 €1.000.000 €9.680.000 €

Hinweis: Die Tabelle addiert die in den Haushalts- und Wirtschaftsplänen 2025 bis 2029 ausgewiesenen projektbezogenen Ansätze. Sie stellt keine Schlussrechnung dar. Bei der Bahnhofstraße erscheinen zusätzlich 80.000 Euro für eine Pumpanlage. Ob diese vollständig zum selben Baupaket gehört, hat die Verwaltung nicht erläutert.

Quellen und Recherche

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