Dunkle Symbolgrafik zur RB23-Störung: Ein Regionalzug und ein Ersatzbus stehen an einem regennassen, nicht elektrifizierten Bahnsteig. Text: „Mayen-Andernach – RB23 fällt aus, kein fester Takt“.

Nach Gleisfehler und Zugfunk-Ausfall fährt zwischen Mayen Ost und Andernach weiter kein RB23-Zug. Der Ersatzverkehr hat keinen festen Fahrplan – und trifft Pendler sowie Schüler aus der Pellenz besonders hart.

Zug weg, Takt weg, Übersicht weg: Wer schützt Schüler auf der RB23?

Zwischen Mayen Ost und Andernach fällt die RB23 weiter aus – ohne Termin für die Rückkehr zum Normalbetrieb. Der Ersatzverkehr fährt nach Angaben des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel im Pendelverkehr, aber ohne festen Fahrplan. Das ist keine kleine Unbequemlichkeit. Für Menschen in Mayen, Kottenheim, Thür, Mendig, Kruft, Plaidt und Andernach bedeutet es: Wer auf diese Verbindung angewiesen ist, kann morgens nicht verlässlich planen, wann er Schule, Ausbildung oder Arbeitsplatz erreicht.

Die offizielle Ursache liegt nicht bei den Fahrgästen, nicht bei den Schulen und auch nicht beim Kreis: Nach der aktuellen VRM-Verkehrsmeldung ist die analoge Zugfunkanlage des Streckenbetreibers DB InfraGO ausgefallen. Deshalb entfallen die Züge der RB23 zwischen Mayen Ost und Andernach „bis auf Weiteres“. Schon diese Formulierung lässt aufhorchen: Sie benennt keinen belastbaren Reparaturtermin und keine Perspektive, wann die betroffenen Orte wieder einen planbaren Bahnverkehr erhalten.

Drei Störungen, eine Region ohne Reserve

Die aktuelle Lage kam nicht aus heiterem Himmel. Bereits am 10. August stellte DB InfraGO bei Thür einen Gleislagefehler fest. Die Strecke zwischen Mendig und Mayen Ost musste gesperrt werden. Das Megina-Gymnasium Mayen dokumentierte, dass zunächst nur vier Busse als Notverkehr bereitstanden. Erst nach Druck des Zweckverbands SPNV-Nord wurde die Zahl auf acht Fahrzeuge erhöht, um einen Halbstundentakt möglich zu machen.

Die Gleisreparatur sollte Mitte August den Betrieb wieder stabilisieren. Wenige Tage später fiel jedoch die Zugfunkanlage aus. Damit zeigt sich ein grundlegendes Problem: Eine Strecke, die ohnehin durch Bauarbeiten und Ersatzkonzepte belastet ist, verfügt offenbar über zu wenig Puffer für technische Störungen. Fällt ein weiteres Element aus, verschwindet nicht nur ein Zug – dann verschwindet die Verlässlichkeit des gesamten Systems.

Hinzu kommt die bereits laufende Generalsanierung am rechten Rhein. Sie führt bis Dezember zu Ausfällen der RB23 zwischen Koblenz und Andernach. Wer aus Mayen oder der Pellenz Richtung Koblenz fährt, muss damit gleich mehrere Schwachstellen überwinden: den unplanbaren Bus zwischen Mayen Ost und Andernach und anschließend die bauzeitlich veränderte Verbindung Richtung Koblenz.

Ein Ersatzbus ohne Fahrplan ist kein gleichwertiger Ersatz

Busse können einen Zugausfall abfedern. Sie können aber keinen geregelten Bahnverkehr ersetzen, wenn sie ohne festen Fahrplan pendeln und Fahrgäste nicht wissen, ob sie den Anschluss erreichen. Der VRM verweist selbst auf die kurzfristige Maßnahme und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Bussen. Fahrräder bleiben wegen fehlenden Platzes außen vor. Für Berufspendler ist das ärgerlich. Für Schüler kann es bedeuten, zu spät zum Unterricht zu kommen oder nachmittags vor der Frage zu stehen, wann sie tatsächlich nach Hause gelangen.

Gerade zum Schulbeginn ist das ein Zumutungstest für Familien. Im Kreis Mayen-Koblenz wurden Elternbeschwerden über die Lage bekannt. Eine öffentlich nachvollziehbare Gesamtbilanz fehlt jedoch: Wie viele Schüler erreichen ihre Schulen verspätet? Wo gingen Anschlüsse verloren? Wie viele Fahrten fielen tatsächlich aus, und welche zusätzlichen Fahrzeuge standen wann bereit? Solche Daten sind keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, ob Verantwortliche aus einzelnen Beschwerden lernen oder ob die Belastung der Familien unsichtbar bleibt.

Der Kreis Mayen-Koblenz trägt nicht die Verantwortung für einen technischen Defekt an Bahnanlagen. Als Träger der Schülerbeförderung muss er aber gemeinsam mit Schulen und Verkehrsakteuren offenlegen, ob der Schulweg unter diesen Bedingungen noch verlässlich funktioniert und wo nachgesteuert wird. Eltern dürfen nicht jeden Morgen selbst das Krisenmanagement übernehmen.

Verantwortung darf nicht im Zuständigkeitskreisverkehr verschwinden

Die Zuständigkeiten lassen sich klar benennen. DB InfraGO verantwortet als Streckenbetreiber die Infrastruktur; der VRM nennt das Unternehmen ausdrücklich als Ursache des aktuellen Zugfunk-Ausfalls. DB Regio fährt die betroffene Linie und organisiert im Zusammenspiel mit den Aufgabenträgern den Ersatzverkehr. Der SPNV-Nord bestellt und überwacht den Schienenpersonennahverkehr in der Region; beim Gleisfehler im August drängte er nachweislich auf mehr Buskapazität. Der Landkreis Mayen-Koblenz wiederum muss die Folgen für die Schülerbeförderung im Blick behalten und transparent kommunizieren.

Keiner dieser Akteure kann allein jedes technische Problem verhindern. Genau deshalb braucht es einen belastbaren Notfallplan, der nicht erst unter Druck entsteht. Wer eine Hauptverbindung für eine ganze Region ersetzt, muss feste Abfahrtszeiten, ausreichende Kapazitäten, verlässliche Anschlüsse und eine täglich aktualisierte Bilanz liefern. „Pendelverkehr ohne festen Fahrplan“ beschreibt einen Notbehelf – nicht den Anspruch an einen funktionierenden öffentlichen Verkehr.

2halb3-News hat im Verkehrsarchiv wiederholt über die Folgen von Sperrungen und fehlender Übersicht berichtet. Der Fall RB23 zeigt besonders deutlich: Infrastrukturprobleme treffen nicht abstrakt „den Verkehr“. Sie treffen Kinder auf dem Schulweg, Eltern im Berufsalltag und Menschen, die kein Auto als Ausweichmöglichkeit haben.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wann fährt die RB23 wieder? Sie lautet auch: Warum gibt es für eine wochenlang betroffene Schul- und Pendlerstrecke noch immer keinen öffentlichen, verlässlichen Krisenfahrplan mit klaren Verantwortlichkeiten?

Betroffen von den Ausfällen oder vom Ersatzverkehr? Schreiben Sie uns vertraulich über unser Kontaktformular – besonders zu Verspätungen, ausgefallenen Anschlüssen und Problemen auf dem Schulweg.

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