Grafik zu den KGRZ-Jahreszahlen 2025: Nachtaufnahme von Koblenz mit Serverracks, Überschrift „IT am Limit?“.

Das kommunale Rechenzentrum Koblenz schließt 2025 mit Gewinn ab und plant weitere Millioneninvestitionen. Doch der Prüfbericht beschreibt eine IT am Limit: knappe Spezialisten, wachsende Sicherheitslast und keine öffentlich nachprüfbaren Qualitätskennzahlen.

Jahresgewinn schützt nicht vor dem nächsten Ausfall

Das Kommunale Gebietsrechenzentrum Koblenz (KGRZ) verdient Geld, investiert kräftig und verfügt über eine außergewöhnlich hohe Eigenkapitalquote. Dennoch beschreibt der geprüfte Jahresabschluss 2025 ein Problem, das sich nicht in einer Gewinnzahl auflöst: Die kommunale IT arbeitet nach eigener Darstellung unter Volllast. Spezialwissen liegt teils bei wenigen Beschäftigten, der Speicherbedarf steigt, Cyberangriffe gelten als verschärfte Gefahr. Gleichzeitig fehlen in den öffentlich vorgelegten Unterlagen konkrete Zahlen dazu, was Koblenz für IT-Sicherheit ausgibt, welche Störungen es gab und ob die vereinbarten Leistungen zuverlässig ankamen.

Am 3. September soll der Stadtrat den Jahresabschluss 2025 des städtischen Eigenbetriebs feststellen. Er weist einen Gewinn von 409.182,21 Euro aus, rund 35.000 Euro weniger als 2024. Die Bilanzsumme liegt bei 10,20 Millionen Euro; 89,7 Prozent davon deckt Eigenkapital. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dornbach erteilte einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Für Fehlverhalten der Werkleitung oder Verstöße gegen Beschlüsse fanden die Prüfer in ihrem Auftrag keine Anhaltspunkte.

Das ist die beruhigende Seite der Bilanz. Die unbequeme Seite: Buchhalterische Ordnung ist nicht dasselbe wie belastbare digitale Daseinsvorsorge. Fällt die IT aus, trifft es nicht abstrakte Server, sondern Verwaltung, Schulen, Telefonie und digitale Fachverfahren.

2,18 Millionen Euro Investitionen – aber kaum öffentliche Tiefenschärfe

Das KGRZ gab 2025 rund 2,18 Millionen Euro für Investitionen aus. Davon entfielen nach dem Prüfbericht etwa 2,03 Millionen Euro auf technische Anlagen und 151.000 Euro auf Softwarelizenzen. Das Anlagevermögen stieg auf 7,11 Millionen Euro. Zugleich sank der Bestand an liquiden Mitteln von 1,28 auf 0,93 Millionen Euro. Eine Krise der Zahlungsfähigkeit sieht der Bericht nicht; die Stadtkasse und der Betrieb überwachen die Liquidität monatlich.

Die Investitionen zeigen jedoch auch, wie groß der Erneuerungsdruck ist. Geplant sind unter anderem ein neues Dokumentenmanagement- und Finanzsystem, Server- und Speicherausbau, Austausch veralteter Arbeitsplätze, der Ausbau von Netzwerk- und Sicherheitsinfrastruktur, Schul-IT sowie Maßnahmen im sicheren Rechenzentrum. Der Jahresabschluss nennt diese Vorhaben, schlüsselt aber weder die einzelnen Budgets noch die Ausgaben für Cybersecurity, Notfallvorsorge oder Energieeffizienz auf.

Gerade diese Transparenzlücke verdient politische Aufmerksamkeit. Wer über zwei Millionen Euro IT-Investitionen entscheidet, sollte nachvollziehen können, welcher Anteil in Pflichtmodernisierung fließt, welche Maßnahme Risiken senkt und was die Stadt für Ausfälle, Sicherheitsvorfälle oder verzögerte Projekte vorsieht. Der Gewinn fließt nach dem Beschlussvorschlag vollständig in die allgemeine Rücklage. Das stärkt die Substanz. Es ersetzt aber keine öffentliche Prioritätenliste.

Hohe Auslastung und Spezialwissen bei wenigen Köpfen

Das KGRZ betreibt nach eigenen Angaben mehr als 300 Fachverfahren für die Stadt Koblenz und 60 weitere externe Kunden. Die Umsätze stiegen 2025 auf 13,84 Millionen Euro. Besonders das Hosting legte um 211.000 Euro zu; die Werkleitung begründet dies mit zusätzlichem Speicherbedarf und weiteren Kunden. Parallel wuchs der Personalaufwand um 477.000 Euro auf 5,83 Millionen Euro. Bei weiterhin 80 Beschäftigten ist das keine Personaloffensive, sondern vor allem ein Kostenanstieg.

Der Lagebericht benennt den kritischeren Befund selbst: Die vorhandenen Ressourcen würden vollständig gebunden. Die vielfältigen Projekte und die komplexe, heterogene IT-Umgebung belasteten das Personal stark; benötigtes Spezialwissen könne in vielen Bereichen nicht redundant vorgehalten werden. Diese Formulierung ist kein Beweis für eine akute Gefahr. Sie beschreibt aber eine nachvollziehbare Verwundbarkeit: Wenn wenige Fachleute Schlüsselwissen tragen, können Krankheit, Weggang oder parallele Störungen schnell Folgen für den Betrieb haben.

Die Verantwortung dafür liegt zunächst bei der Werkleitung mit Werkleiter Andreas Sartorius und dem kaufmännischen Leiter sowie stellvertretenden Werkleiter Andreas Warth. Sie haben den Lagebericht unterzeichnet und müssen Personal-, Investitions- und Sicherheitsrisiken steuern. Politisch kontrollieren der Werkausschuss unter Vorsitz von Oberbürgermeister David Langner und letztlich der Stadtrat den Eigenbetrieb. Keiner dieser Verantwortlichen wird durch den Abschluss eines Fehlers bezichtigt. Sie müssen sich aber daran messen lassen, ob sie die im Bericht beschriebenen Engpässe rechtzeitig in belastbare Entscheidungen übersetzen.

Sicherheitsvorkehrungen ja – Zahlen und Leistungsbilanz nein

Das KGRZ verweist auf unterbrechungsfreie Stromversorgung, Netzersatzanlage, tägliche Sicherungen, ausgelagerte Datenbestände, Brandschutz und ein Monitoring rund um die Uhr. Die Werkleitung schreibt außerdem, die städtische IT-Infrastruktur werde im Alarm- und Einsatzplan weiter gehärtet; Penetrationstests seien geplant. Der Abschlussprüfer beurteilt das Risikofrüherkennungssystem als geeignet und fand keine Anhaltspunkte, dass Maßnahmen unterblieben.

Diese Aussagen verdienen Gewicht. Sie beantworten aber nicht die entscheidenden Fragen nach der tatsächlichen Resilienz. Wie viele schwerwiegende Störungen gab es 2025? Wie lange dauerten sie? Welche Dienste waren betroffen? Wurden zugesagte Reaktions- und Lösungszeiten eingehalten? Wie viele Ergebnisse aus Schwachstellentests liegen vor, welche Mängel wurden behoben und welche Kosten verursacht das Sicherheitsprogramm? Der veröffentlichte Abschluss liefert darauf keine Kennzahlen.

Auch die Kontrollarchitektur hat Grenzen. Eine eigene interne Revision unterhält das KGRZ wegen seiner Größe nicht; das Rechnungsprüfungsamt der Stadt oder der Landesrechnungshof übernehmen diese Aufgabe. Laut Prüfbericht fand 2025 keine entsprechende Revisionsprüfung statt, die letzte Prüfung des Landesrechnungshofs datiert aus dem Jahr 2014. Das bedeutet nicht, dass seither unkontrolliert gearbeitet wurde: Der Jahresabschluss wurde extern geprüft, der Werkausschuss tagte dreimal zu Angelegenheiten des Betriebs. Für eine Infrastruktur, die immer mehr digitale Verwaltungsleistungen und externe Kunden trägt, bleibt die Frage dennoch berechtigt, ob eine ausschließlich anlassbezogene oder externe Revision genug Einblick in operative IT-Risiken gibt.

Der Stadtrat darf die Gewinnzahl nicht mit einer Entwarnung verwechseln

Der Abschluss belegt: Das KGRZ war 2025 wirtschaftlich stabil, zahlungsfähig und nach Prüfung ordnungsgemäß geführt. Er belegt nicht, dass Koblenz dauerhaft ausreichend Personal hat, dass jedes Sicherheitsrisiko beherrscht ist oder dass Bürger und Mitarbeitende jederzeit verlässlich bedient werden. Genau dort beginnt der politische Auftrag.

Vor der Feststellung sollte der Stadtrat deshalb von Werkleitung und Verwaltung eine öffentlich verständliche Leistungs- und Sicherheitsbilanz verlangen: mit Investitionsschwerpunkten, Störungs- und Verfügbarkeitsdaten in angemessener Form, Personalrisiken, Ergebnissen unabhängiger Tests und einem Zeitplan für die angekündigten Großprojekte. Sicherheitsrelevante Details gehören selbstverständlich nicht ins Netz. Ausgaben, Ziele, Prüfmechanismen und aggregierte Wirkung lassen sich trotzdem transparent machen.

Wer aus Koblenz oder einer angeschlossenen Kommune Erfahrungen mit Ausfällen, langen Bearbeitungszeiten oder gut funktionierendem IT-Support gemacht hat, kann sich vertraulich bei 2halb3-News melden. Gerade bei einer kommunalen IT gilt: Erst aus dem Alltag zeigt sich, ob eine solide Bilanz auch eine verlässliche Leistung bedeutet.

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