Medizinisches Symbolmotiv mit Stethoskop und Arzttasche vor einer Westerwald-Landschaft. Der Beitrag untersucht drei Mediziner-Camps seit 2024 mit 25 dokumentierten Teilnahmen und die bislang öffentlich nicht ausgewiesene Verlaufsbilanz der Teilnehmer.

Seit 2024 hat der Westerwaldkreis drei Mediziner-Camps veranstaltet. Acht Teilnahmen sind für 2024 dokumentiert, acht für 2025 und neun für 2026. Öffentlich lässt sich bislang nicht nachvollziehen, wie viele dieser Kontakte später zu Famulatur, Praktischem Jahr, Weiterbildung oder ärztlicher Tätigkeit im Kreis führten. Gerade angesichts des hohen künftigen Nachbesetzungsbedarfs bekommt diese Zwischenbilanz Gewicht.

Drei Camps, 25 Teilnahmen – doch die entscheidende Bilanz fehlt

WESTERWALDKREIS. Neun Medizinstudierende der Universität Mainz haben Ende August drei Tage lang Praxen, Krankenhäuser und medizinische Arbeitsmöglichkeiten im Westerwaldkreis kennengelernt. Es war bereits das dritte Mediziner-Camp des Kreises. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Wer den Westerwald während des Studiums als möglichen Arbeits- und Lebensort kennenlernt, könnte später für Famulatur, Praktisches Jahr, Weiterbildung oder eine ärztliche Tätigkeit zurückkommen.

Genau dort beginnt allerdings die entscheidende Frage. Seit dem Start 2024 sind nach den Veröffentlichungen des Westerwaldkreises acht, acht und neun Teilnahmen dokumentiert – zusammen 25. Eine öffentliche jahrgangsbezogene Bilanz darüber, was anschließend aus diesen Kontakten geworden ist, findet sich in den von 2halb3 ausgewerteten Veröffentlichungen bislang nicht.

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, den Erfolg daran zu messen, ob ehemalige Teilnehmer inzwischen bereits eine eigene Praxis eröffnet haben. Das Camp richtet sich schon an Studierende ab dem fünften Semester. Wer beim ersten Jahrgang 2024 tatsächlich noch so früh im Studium war, kann sich heute weiterhin in der Ausbildung befinden.

Messbar wären inzwischen jedoch andere Schritte: eine spätere Famulatur im Westerwaldkreis, ein Abschnitt des Praktischen Jahres, eine Weiterbildungsstelle oder eine Beschäftigung bei einer Praxis, einem Krankenhaus oder einem Medizinischen Versorgungszentrum.

DAS WICHTIGSTE

• Seit 2024 sind bei drei Mediziner-Camps 25 Teilnahmen dokumentiert: acht 2024, acht 2025 und neun 2026.
• Ob es sich um 25 unterschiedliche Personen handelt, ist öffentlich nicht aufgeschlüsselt.
• Eine öffentliche Jahrgangsbilanz zu Famulatur, PJ, Weiterbildung oder späterer Tätigkeit haben wir bislang nicht gefunden.
• Für Westerburg/Hachenburg errechnet die KV einen potenziellen Nachbesetzungsbedarf von 52 Prozent der hausärztlichen Versorgungsaufträge. Das ist eine Modellrechnung – keine aktuelle Leerstandsquote.

Sprungpunkte: Die drei Jahrgänge · Was aus Kontakten werden kann · Versorgung unter Druck · Weitere Ärzteförderung · Was offen bleibt

Die drei Jahrgänge

Das erste Mediziner-Camp fand 2024 statt. Acht Studierende ab dem fünften Semester nahmen teil. Der Westerwaldkreis wollte ihnen nicht nur medizinische Einrichtungen zeigen, sondern ausdrücklich einen Eindruck von der Region als möglichem späteren Arbeits- und Lebensmittelpunkt vermitteln. Erstes Mediziner-Camp 2024 – Westerwaldkreis

2025 folgte die zweite Auflage mit erneut acht Studierenden. Auch dabei stand neben medizinischen Einblicken die Frage im Mittelpunkt, welche beruflichen Perspektiven der ländliche Raum bieten kann. Mediziner-Camp 2025 – Westerwaldkreis

Beim dritten Camp 2026 nahmen neun Studierende der Universität Mainz teil. Vom 25. bis 27. August besuchten sie unter anderem das Evangelische Klinikum Westerwald in Hachenburg, das Brüderkrankenhaus Montabaur und das Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach. Hinzu kamen Einblicke in Hausarztpraxen in Höhn und Bad Marienberg.

Der Kreis berichtet anschließend, einzelne Teilnehmer könnten sich vorstellen, einen Teil ihrer praktischen Ausbildung im Westerwaldkreis zu absolvieren. Das ist ein relevantes Interessenssignal. Es ist aber noch kein Nachweis dafür, dass daraus tatsächlich eine Famulatur, ein PJ-Abschnitt oder ein späteres Beschäftigungsverhältnis entstanden ist. Mediziner-Camp 2026 – Westerwaldkreis

Was aus einem Kontakt werden kann

Gerade deshalb ist die Teilnehmerzahl nur der Anfang einer Erfolgsmessung.

25 Teilnahmen belegen zunächst, dass der Kreis über drei Jahre 25 Camp-Plätze besetzt hat. Sie beantworten nicht, wie viele dieser Kontakte anschließend vertieft wurden. Hinzu kommt: Öffentlich ist nicht aufgeschlüsselt, ob einzelne Studierende mehrfach teilnahmen. Deshalb wäre die Formulierung „25 verschiedene Studierende“ nicht belastbar.

Eine aussagekräftige Zwischenbilanz müsste keine Namen enthalten. Eine anonymisierte Statistik würde ausreichen: Wie viele ehemalige Teilnehmer kamen später für eine Famulatur zurück? Wie viele absolvierten hier einen Abschnitt des Praktischen Jahres? Wie viele entschieden sich für eine Weiterbildung oder eine Beschäftigung im Kreis?

Eine solche jahrgangsbezogene Übersicht haben wir in den ausgewerteten öffentlichen Camp-Veröffentlichungen bislang nicht gefunden.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Kreisverwaltung intern keine Kontakte pflegt oder keine Informationen über spätere Wege ehemaliger Teilnehmer besitzt. Öffentlich lässt sich die Bindungswirkung der bisherigen Camps anhand dieser Zwischenstationen derzeit jedoch nicht nachvollziehen.

Auch die Kosten sind öffentlich schwer einzuordnen

Das Camp besteht bewusst nicht allein aus Fachinformationen. Die Teilnehmer sollen den Westerwald auch als Lebensraum kennenlernen.

2025 war die Teilnahme nach Angaben des Kreises kostenfrei; Unterbringung und Verpflegung waren eingeschlossen. Auch 2026 gehörten Übernachtung und gemeinsame Programmpunkte zum Konzept. Ankündigung Mediziner-Camp 2025

Einen öffentlich ausgewiesenen Gesamtaufwand für die einzelnen Camps haben wir in den ausgewerteten Unterlagen bislang nicht gefunden. Damit lässt sich derzeit auch keine belastbare Relation zwischen eingesetzten Mitteln, erreichten Studierenden und späteren Folgewirkungen bilden.

Das allein sagt nichts darüber aus, ob das Camp wirtschaftlich oder unwirtschaftlich ist. Nachwuchsgewinnung kann über Jahre wirken. Gerade bei einem solchen langfristigen Instrument wäre eine fortlaufende Evaluation jedoch geeignet, die Wirkung nachvollziehbar zu machen.

Versorgung unter Druck

Dass der Westerwaldkreis um medizinischen Nachwuchs wirbt, hat einen konkreten Hintergrund.

Nach den Kreisdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz weist der Westerwaldkreis zum Stichtag 30. Juni 2026 118,75 hausärztliche und 113,25 fachärztliche Versorgungsaufträge aus.

Bei den Hausärzten gehören 39 Prozent der Ärzte nach den veröffentlichten Altersgruppen zur Gruppe ab 60 Jahren. Für den hausärztlichen Mittelbereich Montabaur berechnet die KV einen potenziellen Nachbesetzungsbedarf von 28 Versorgungsaufträgen beziehungsweise 39 Prozent. Für Westerburg/Hachenburg sind es 24 Versorgungsaufträge beziehungsweise 52 Prozent. KV Rheinland-Pfalz – Kreisdaten Westerwaldkreis

Die Zahl von 52 Prozent muss allerdings richtig eingeordnet werden. Sie bedeutet nicht, dass heute jede zweite Hausarztpraxis in Westerburg/Hachenburg leer steht oder geschlossen ist. Es handelt sich um eine Modellrechnung zum potenziellen Nachbesetzungsbedarf, mit der unter anderem altersbedingte Austrittswahrscheinlichkeiten berücksichtigt werden.

Auch die von der KV ausgewiesenen freien Sitze sind bedarfsplanerische Größen. Für Montabaur werden 7,25 und für Westerburg/Hachenburg acht freie hausärztliche Sitze ausgewiesen. Daraus dürfen nicht schlicht 15,25 verwaiste Praxen gemacht werden.

Der Kreis setzt nicht nur auf Camps

Das Mediziner-Camp ist zudem nur ein Baustein der Nachwuchsstrategie.

Der Westerwaldkreis unterhält zusätzlich eine finanzielle Ärzteförderung. Der Kreistag verlängerte die entsprechende Richtlinie 2026 bis Ende 2028. Bei bestimmten von der KV anerkannten Sonderbedarfsfällen kann die Förderung bis zu 50.000 Euro erreichen. Westerwaldkreis – Erweiterung der Ärzteförderung 2026

Diese Förderung und das Mediziner-Camp müssen getrennt betrachtet werden. Eine geförderte Niederlassung kann nicht automatisch dem Camp zugerechnet werden, nur weil beide Instrumente dasselbe Ziel verfolgen.

Umgekehrt wäre es ebenso falsch, das Camp für gescheitert zu erklären, weil nach drei Jahren nicht bereits mehrere Teilnehmer eigene Praxen eröffnet haben.

Der faire Maßstab liegt dazwischen: Entsteht aus dem ersten Kontakt eine weitere medizinische Bindung an den Westerwaldkreis?

Was belegt ist – und was offen bleibt

Belegt sind drei Mediziner-Camps und insgesamt 25 dokumentierte Teilnahmen seit 2024.

Nicht öffentlich geklärt ist, ob es sich um 25 unterschiedliche Personen handelt. Ebenso lässt sich aus den ausgewerteten Veröffentlichungen bislang nicht nachvollziehen, wie viele Teilnehmer anschließend eine Famulatur, einen PJ-Abschnitt, eine Weiterbildung oder eine Beschäftigung im Westerwaldkreis aufnahmen.

Deshalb wäre derzeit weder die Aussage belastbar, das Camp habe bereits zusätzliche Ärzte für den Kreis hervorgebracht, noch die Behauptung, es sei wirkungslos.

Nach drei Jahrgängen wäre eine anonymisierte Verlaufsbilanz allerdings geeignet, genau diese Lücke zu schließen: Wie viele Kontakte blieben bestehen – und wie viele entwickelten sich tatsächlich zu medizinischer Ausbildung oder Beschäftigung in der Region?

Angesichts eines von der KV errechneten potenziellen Nachbesetzungsbedarfs von bis zu 52 Prozent der hausärztlichen Versorgungsaufträge im Bereich Westerburg/Hachenburg ist diese Frage keine Nebensache. Sie betrifft unmittelbar die langfristige ärztliche Versorgung im Westerwaldkreis.

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Quellen:

  • Kreisverwaltung Westerwaldkreis – Erstes Mediziner-Camp im Westerwald, September 2024.
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  • Kreisverwaltung Westerwaldkreis – Mediziner-Camp im Westerwaldkreis zeigte Perspektiven, September 2025.
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  • Kreisverwaltung Westerwaldkreis – Ärztemangel im Westerwaldkreis aktiv begegnen, September 2026.
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  • Kreisverwaltung Westerwaldkreis – Mediziner-Camp 2025, Ankündigung.
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  • Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz – Kreisdaten zur vertragsärztlichen Versorgung im Westerwaldkreis, Stichtag 30.06.2026.
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  • Kreisverwaltung Westerwaldkreis – Kreistag beschließt Erweiterung der Ärzteförderung, Juni 2026.
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