Dramatische Wasserquelle im Westerwald mit Blick auf Hachenburg. Die Grafik thematisiert sinkende Quellerträge und die Frage, wer in der Region wie viel Wasser entnimmt.

Hachenburg und Westerburg bauen ihre Wasserversorgung enger zusammen. Eine rund 7,4 Kilometer lange Leitung soll künftig täglich 400 bis 800 Kubikmeter Trinkwasser aus dem Westerburger Netz nach Hachenburg transportieren und gleichzeitig eine gegenseitige Absicherung ermöglichen. Die Westerwald-Brauerei in Hachenburg verfügt nach eigenen Angaben über einen eigenen Tiefbrunnen und eine eigene Quelle. Einen belegten ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Wasserbedarf der Brauerei und dem neuen kommunalen Trinkwasserverbund gibt es bislang nicht.

Hachenburg sichert sich Wasser aus mehreren Richtungen

Beim Trinkwasser setzt die Verbandsgemeinde Hachenburg zunehmend auf Verbünde. Der jüngste Schritt ist die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Westerburg.

Am 17. August 2026 unterzeichneten beide Verwaltungen einen Wasserlieferungsvertrag. Geplant ist eine rund 7,4 Kilometer lange Verbindung zwischen den neuen Hochbehältern in Langenhahn auf Westerburger und Lochum auf Hachenburger Seite. Darüber sollen künftig täglich zwischen 400 und 800 Kubikmeter Trinkwasser aus Westerburg in das Hachenburger Netz fließen können. Das entspricht 400.000 bis 800.000 Litern pro Tag.

Diese Zahlen klingen zunächst nach einem erheblichen zusätzlichen Wasserbedarf. Sie dürfen aber nicht mit einem permanenten Mehrverbrauch gleichgesetzt werden.

Der Verbund dient ausdrücklich der Versorgungssicherheit. Westerburg und Hachenburg sollen ihre Systeme stärker miteinander verbinden, damit bei Trockenheit, technischen Problemen oder anderen Engpässen zusätzliche Versorgungswege zur Verfügung stehen. Bereits in früheren Planungen wurde der Verbund als gegenseitige Unterstützung der benachbarten Wasserversorger beschrieben.

Damit fügt sich das Projekt in eine deutlich größere Strategie ein.

Der Druck auf die kommunale Wasserversorgung ist älter als dieses Projekt

Hachenburg arbeitet bereits seit Jahren daran, seine Wasserversorgung breiter aufzustellen.

In amtlichen Informationen der Verbandsgemeinde wurde Anfang 2025 beschrieben, dass Quellen und Tiefbrunnen insbesondere seit den trockenen Jahren 2017 und 2018 teilweise deutlich weniger Wasser liefern. In warmen Sommern können Quellen zeitweise vollständig ausfallen; auch Tiefbrunnen fördern nach Darstellung der Werke weniger. Gleichzeitig können Starkregenereignisse zu Trübungen führen, wodurch Wasser zeitweise nicht für die Aufbereitung genutzt werden kann.

Deshalb setzt Hachenburg nicht allein auf Westerburg. Die Verbandsgemeinde hat auch ihre Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Wasserversorgung Kreis Altenkirchen ausgebaut. Perspektivisch sollen darüber jährlich mehr als 310.000 Kubikmeter Trinkwasser zusätzlich verfügbar werden. Neue Leitungen und Hochbehälter sollen dieses Wasser weiter in das Hachenburger Versorgungsgebiet bringen.

Der Verbund mit Westerburg ist deshalb kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines größeren Umbaus der regionalen Wasserversorgung.

Genau dieser Zusammenhang ist wichtig, wenn die Frage auftaucht, welche Rolle große gewerbliche Wasserverbraucher in Hachenburg spielen.

Die Brauerei nutzt eigene Wasserressourcen

Die Westerwald-Brauerei ist als wasserintensiver Produktionsbetrieb ein naheliegender Teil einer solchen Recherche. Daraus darf aber nicht automatisch ein Zusammenhang mit dem kommunalen Trinkwasserverbund konstruiert werden.

Die Brauerei beschreibt ihre Wasserversorgung in ihrem eigenen Gemeinwohlbericht sehr konkret. Danach verfügt sie auf dem Betriebsgelände über einen eigenen Tiefbrunnen. Dieses Wasser werde als Brauchwasser unter anderem für sanitäre Anlagen und Reinigungsprozesse eingesetzt und in einer betriebseigenen Wasserversorgungsanlage aufbereitet.

Zusätzlich besitzt das Unternehmen nach eigener Darstellung eine eigene Quelle, aus der das Brauwasser unbehandelt entnommen und unmittelbar für die Produktion verwendet werden kann.

Damit ist zunächst belegt, dass wesentliche Teile des Wasserbedarfs der Brauerei nicht einfach aus dem kommunalen Trinkwassernetz bezogen werden.

Das beantwortet allerdings noch nicht jede wasserwirtschaftliche Frage.

Eigene Quelle heißt nicht: kein Einfluss auf den regionalen Wasserhaushalt

Grund- und Quellwasser gehören letztlich zum natürlichen Wasserhaushalt einer Region. Auch eine private oder gewerbliche Entnahme kann deshalb für eine Gesamtbetrachtung relevant sein.

Um daraus jedoch konkrete Aussagen abzuleiten, braucht es belastbare Daten über genehmigte Entnahmemengen, tatsächliche Fördermengen, Herkunft und Einzugsgebiet der jeweiligen Wasserressourcen sowie die Entwicklung der Grundwasserstände.

Allein die Tatsache, dass Brauerei und kommunale Wasserversorgung geografisch in derselben Region liegen, beweist keine Konkurrenz um dieselbe Ressource.

Ebenso wenig lässt sich aus dem neuen Wasserverbund ableiten, dass die Verbandsgemeinde zusätzliche Wassermengen benötigt, weil die Brauerei einen bestimmten Bedarf verursacht.

Für einen solchen Zusammenhang gibt es in den bislang geprüften Unterlagen keinen Beleg.

Interessant ist eine andere Zahl

Der Gemeinwohlbericht der Brauerei enthält allerdings eine konkrete Größenordnung für den eigenen Wasserverbrauch. Für 2024 weist das Unternehmen einen Wasserverbrauch von 80.887 Kubikmetern aus.

Diese Zahl ist erheblich kleiner als manche früheren überschlägigen oder aus Produktionsmengen abgeleiteten Schätzungen, die ohne belastbare Unternehmensdaten schnell entstehen können. Gerade deshalb sollte künftig mit den tatsächlich veröffentlichten beziehungsweise wasserrechtlich bestätigten Zahlen gearbeitet werden.

Auch 80.887 Kubikmeter beantworten aber noch nicht die zentrale Frage nach dem regionalen Wasserhaushalt. Entscheidend ist beispielsweise, aus welcher Ressource diese Menge stammt, welche Entnahme genehmigt ist, wie sich die Förderung über das Jahr verteilt und welche Neubildung beziehungsweise Reserven dem gegenüberstehen.

Erst daraus entsteht eine belastbare Wasserbilanz.

Der Trinkwasserverbund ist zunächst ein Sicherheitsprojekt

Für die Bewertung des Projekts Hachenburg–Westerburg bleibt damit festzuhalten: Der neue Verbund ist nach den veröffentlichten Unterlagen vor allem als zusätzliche Absicherung der Versorgung angelegt.

Die beiden Verbandsgemeinden schaffen eine Verbindung zwischen ihren Netzen, um Wasser dorthin transportieren zu können, wo es benötigt wird. Dass Hachenburg parallel weitere Bezugswege aus dem Raum Altenkirchen ausbaut, unterstreicht, dass die Strategie nicht auf eine einzige neue Quelle oder Leitung setzt.

Die Brauerei wiederum betreibt nach eigener Darstellung ein eigenes System aus Tiefbrunnen und Quelle.

Damit existieren kommunale und gewerbliche Wassernutzungen nebeneinander. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden ist damit noch nicht hergestellt.

Die eigentlich interessante Recherche beginnt erst jetzt

Die spannendere Frage geht deshalb über die Brauerei hinaus.

Wie viel Wasser steht im Raum Hachenburg langfristig tatsächlich zur Verfügung? Wie haben sich Fördermengen von Quellen und Tiefbrunnen entwickelt? Welche Entnahmerechte bestehen für kommunale und größere gewerbliche Nutzer? Welche Reserven halten die Hochbehälter vor, und wie groß sind die Verbrauchsspitzen an heißen Sommertagen?

Erst wenn diese Daten zusammengeführt werden, lässt sich beurteilen, ob die neuen Verbünde überwiegend vorsorgliche Redundanz schaffen oder ob sie auf strukturell wachsende Versorgungsrisiken reagieren.

Die Brauerei gehört in eine solche Gesamtbetrachtung hinein. Sie darf aber nicht ohne Beleg zur Ursache eines kommunalen Wasserprojekts gemacht werden.

Genau diese Trennung ist für die weitere Recherche entscheidend.

Quellen:

  • Verbandsgemeinde Hachenburg: „Verbandsgemeinde Hachenburg stellt Weichen für künftige Wasserversorgung“, 5. Februar 2025. Quelle öffnen
  • Verbandsgemeinde Hachenburg: „Wasserampel auf Gelb“, 8. Juli 2025. Quelle öffnen
  • Verbandsgemeinde Hachenburg: „Klimaschutz mit Geschmack“, Juli 2025. Quelle öffnen
  • Verbandsgemeinde Hachenburg: Informationen zur Ortsgemeinde Gehlert. Quelle öffnen
  • Verbandsgemeinde Hachenburg: „Hand in Hand für das Trinkwasser“, August 2026. Quelle öffnen
  • Verbandsgemeindewerke Hachenburg: Drucksache 035/2026/VG, „Zukunftsstrategie Wasserversorgung 2030“, Teilprojekt 3. PDF öffnen
  • Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG: Gemeinwohlbericht 2024. PDF öffnen
  • Westerwald-Brauerei: Gemeinwohlbericht 2020/2021. Quelle öffnen
  • SGD Nord / UVP-Verbund: Wasserrechtliche Erlaubnis für 20 Gewinnungsanlagen im Wasserschutzgebiet „Hachenburg-Süd“. Verfahren öffnen

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