Am Sonntag entscheiden die Wähler über den nächsten Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Oliver Krügel, Manuel Minor und Lino Antonio Schmidt werben um das Amt. Doch der künftige Verwaltungschef übernimmt keinen finanziellen Freifahrtschein: Millioneninvestitionen, steigende Kreditlasten, unterschiedliche Abwasserentgelte und geplante Defizite ab 2027 machen aus vielen Wahlversprechen eine Kostenfrage.
Drei Kandidaten, knappe Kasse: Die Millionenfragen vor der Wahl
Am Sonntag, 6. September, entscheidet sich, wer die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau künftig führen soll. Oliver Krügel tritt für die CDU an, Manuel Minor als parteiloser Einzelbewerber, Lino Antonio Schmidt für die AfD. Um 18 Uhr schließen die Wahllokale; die Verbandsgemeinde will anschließend die Ergebnisse online veröffentlichen. Erreicht keiner der drei Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, folgt am 20. September eine Stichwahl zwischen den beiden Stimmenstärksten. Eine seriöse Prognose darüber, wer vorne liegt oder welche zwei Kandidaten gegebenenfalls in eine Stichwahl einziehen, gibt es nicht. Suchanfragen, Wahlkampfveranstaltungen und Reichweite in sozialen Netzwerken ersetzen keine repräsentative Umfrage.
Aktuelle Wahlinformationen der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau
Doch hinter dem personellen Dreikampf steckt eine zweite, mindestens ebenso wichtige Entscheidung. Der nächste Bürgermeister bekommt eine Verwaltung, zahlreiche Investitionsprojekte und einen Haushalt, dessen Spielraum erheblich enger ist, als manche Wahlkampfformulierung vermuten lässt. Wer Schulen modernisieren, Feuerwehren ausstatten, die Verwaltung digitalisieren, Ortsgemeinden entlasten, Ärzte gewinnen oder neue Versorgungsmodelle aufbauen will, muss erklären, woher das Geld kommen soll.
Ein Haushaltsüberschuss von nicht einmal 30.000 Euro
Der Haushaltsplan 2026 wirkt auf den ersten Blick solide. Er sieht Erträge von 37,762 Millionen Euro und Aufwendungen von 37,732 Millionen Euro vor. Unter dem Strich bleiben gerade einmal 29.743 Euro Überschuss. Bei einem Haushaltsvolumen von fast 38 Millionen Euro ist das praktisch eine Punktlandung ohne großen Puffer.
Die Investitionsseite zeigt deutlicher, wie eng der finanzielle Rahmen tatsächlich ist. Geplant sind rund 6,268 Millionen Euro Investitionsauszahlungen, denen lediglich rund 1,662 Millionen Euro Investitionseinzahlungen gegenüberstehen. Daraus entsteht ein Fehlbetrag von 4.606.542 Euro. Genau diese Summe soll über verzinste Investitionskredite finanziert werden. Zusätzlich darf die Verbandsgemeinde Verpflichtungen von bis zu 13,944 Millionen Euro eingehen, die künftige Haushaltsjahre belasten können. Für 13,237 Millionen Euro dieser Verpflichtungen rechnet der Haushaltsplan damit, dass später voraussichtlich Investitionskredite notwendig werden.
Haushaltsplan 2026 der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau
Das ist noch kein Beweis für eine finanzielle Schieflage. Kommunen müssen investieren, und Kredite können für langlebige Infrastruktur wirtschaftlich sinnvoll sein. Wer aus der Kreditaufnahme allein ein „Versagen“ ableiten würde, machte es sich zu einfach. Allerdings warnt die Verwaltung in ihrem eigenen Haushaltsvorbericht bemerkenswert deutlich: In den kommenden Jahren müsse sich die Verbandsgemeinde verstärkt damit beschäftigen, ob sie sich das hohe Niveau ihrer Investitionstätigkeit leisten könne. Auch die Finanzierung der künftigen Tilgungen werde zum Kriterium.
Das ist keine Kritik von außen. Das steht im eigenen Haushalt der Verbandsgemeinde.
Ab 2027 kippt die Planung ins Minus
Noch problematischer wirkt der Blick über den Wahltermin hinaus. Für 2026 plant die VG mit dem kleinen Plus von 29.743 Euro. Für 2027 weist die Finanzplanung dagegen bereits einen Fehlbetrag von 386.203 Euro aus. 2028 sollen es 534.662 Euro Minus sein, 2029 schließlich 657.049 Euro.
Parallel steigt nach der Planung die Investitionsverschuldung. Anfang 2026 rechnet die VG mit rund 14,891 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus Investitionskrediten, zum Jahresende mit rund 18,620 Millionen Euro. Für 2027 sind sogar 9,269 Millionen Euro neue Investitionskredite vorgesehen. Abzüglich der geplanten Tilgung ergäbe das allein für dieses Jahr eine Netto-Neuverschuldung von rund 8,243 Millionen Euro.
Auch hier gilt: Planung ist noch kein Jahresabschluss. Projekte können sich verschieben, Fördermittel können hinzukommen, Einnahmen können besser oder schlechter ausfallen. Trotzdem übernimmt der Wahlsieger genau diese mittelfristige Planung. Wer jetzt zusätzliche Projekte verspricht, muss deshalb irgendwann beantworten, ob andere Vorhaben zurückstehen, zusätzliche Einnahmen entstehen oder die Verschuldung weiter wächst.
Finanzschwache Gemeinden finanzieren die Verbandsgemeinde mit
Der Konflikt reicht tiefer. Die Verbandsgemeinde finanziert einen wesentlichen Teil ihrer Aufgaben über die Umlage ihrer Städte und Ortsgemeinden. Der Hebesatz liegt 2026 bei 34,5 Prozent, das Umlagesoll bei knapp 11,962 Millionen Euro. Bad Ems trägt nach den Haushaltsunterlagen 36,5 Prozent dieses Aufkommens, Nassau 16,5 Prozent und Singhofen 6,5 Prozent. Gleichzeitig liegen nur sieben der 28 Gemeinden oberhalb des im Haushalt genannten Schwellenwertes der landesdurchschnittlichen Steuerkraft.
Noch deutlicher formuliert es die Verwaltung im Vorbericht: Von den 28 Städten und Ortsgemeinden mussten im Jahresabschluss 2024 elf Liquiditätskredite bei der Einheitskasse aufnehmen, darunter Bad Ems und Nassau. 16 Ortsgemeinden erwirtschafteten eine freie Finanzspitze. Die VG selbst weist zudem darauf hin, dass insbesondere Schwankungen bei der Gewerbesteuer von Bad Ems durch die übrigen Gemeinden nur schwer ausgeglichen werden könnten.
Genau hier entsteht ein politischer Zielkonflikt, den keiner der Kandidaten mit einem freundlichen Schlagwort beseitigen kann. Die Verbandsgemeinde braucht Geld für Schulen, Feuerwehr, Verwaltung und Infrastruktur. Gleichzeitig dürfen ihre Mitgliedsgemeinden finanziell nicht ausgepresst werden. Entlastet der künftige Bürgermeister die Ortsgemeinden, muss die VG entweder Ausgaben begrenzen, andere Einnahmen erschließen oder Fördermittel nutzen. Investiert die VG stärker, wächst wiederum der Druck auf ihren eigenen Haushalt.
Der Haushalt war kein einsamer Beschluss des Bürgermeisters
Für die politische Verantwortung ist ein Detail wichtig. Der Haushalt 2026 stammt zwar aus der Verwaltung unter dem amtierenden VG-Bürgermeister Uwe Bruchhäuser, doch über ihn entschied der Verbandsgemeinderat. Am 11. Dezember 2025 stimmte das Gremium dem Haushalt einschließlich der Planungsdaten 2027 bis 2029 mit 26 Ja-Stimmen, ohne Gegenstimme und ohne Enthaltung zu.
Damit trägt nicht allein die Verwaltung die politische Verantwortung für den eingeschlagenen Kurs. Die anwesenden Ratsmitglieder billigten ihn parteiübergreifend. Oliver Krügel gehörte laut Sitzungsniederschrift zu den anwesenden Ratsmitgliedern. Eine namentliche Einzelabstimmung weist die Niederschrift allerdings nicht aus. Daraus sollte man deshalb nicht mehr machen, als die Dokumente hergeben. Fest steht: Krügel gehört als Mitglied des Verbandsgemeinderates schon heute zu dem politischen Gremium, das mit Haushalten, Investitionen und Umlagen befasst ist.
Das verschafft ihm Erfahrung. Es erzeugt aber auch eine besondere Verpflichtung zur Erklärung. Wer mit Verwaltungserfahrung wirbt, muss sich auch daran messen lassen, wie die bisherigen Entscheidungen finanziell wirken.
Krügel: Viel Erfahrung – aber wer finanziert die vielen Vorhaben?
Oliver Krügel ist Stadtbürgermeister von Bad Ems und Mitglied des Verbandsgemeinderates. Auf seiner Wahlkampfseite legt er ein breites Programm vor. Er will Ortsgemeinden enger an die Verwaltung anbinden, feste Ansprechpartner schaffen, Rückmeldungen beschleunigen, Digitalisierung und Bürgerservice verbessern, Feuerwehr und Katastrophenschutz stärken sowie Schul-, Gesundheits- und Infrastrukturthemen weiterentwickeln. Bei der medizinischen Versorgung setzt er unter anderem darauf, Haus- und Fachärzte zu halten oder neu anzusiedeln. Dafür nennt er als mögliche Instrumente Unterstützung bei Niederlassungen, vergünstigte Baugrundstücke und finanzielle Förderung.
Programm und Standpunkte von Oliver Krügel
Die Richtung ist erkennbar. Schwieriger wird es bei der Finanzierung. Bei unserer Prüfung der veröffentlichten Programminhalte fanden wir für zentrale Vorhaben keine zusammenhängende Gegenfinanzierung, aus der beispielsweise hervorgeht, welche finanziellen Obergrenzen gelten, wo Einsparungen möglich wären oder welche Vorhaben bei schlechteren Einnahmen zurückstehen müssten.
Das ist keine Besonderheit allein bei Krügel. Kommunale Wahlprogramme sind selten vollständige Haushaltsentwürfe. Doch gerade bei einem Kandidaten, der seine Erfahrung zum zentralen Argument macht und bereits im VG-Rat sitzt, ist die Frage legitim: Wie viel zusätzliche Gestaltung verträgt ein Haushalt, dessen Verwaltung selbst vor den Folgen des Investitionsniveaus warnt?
Minor: Verwaltungsfachmann mit MVZ-Idee – aber das Risiko bleibt offen
Manuel Minor setzt einen anderen Schwerpunkt. Der parteilose Kandidat arbeitet nach eigener Darstellung seit Jahren in Landes- und Kommunalverwaltungen und derzeit als Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Rheinland-Pfalz. Er sitzt im Nassauer Stadtrat und stellt Verwaltungskompetenz, Bürgernähe und politische Unabhängigkeit in den Mittelpunkt seiner Bewerbung. Seine Kandidatur erhielt nach eigenen Angaben Unterstützung von SPD, Grünen und Linken.
Informationen und Positionen von Manuel Minor
Sein auffälligster konkreter Vorschlag betrifft die Gesundheitsversorgung. Minor möchte prüfen lassen, ob die Verbandsgemeinde ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum nach dem Vorbild der VG Aar-Einrich schaffen könnte. Als möglichen Standort bringt er das ehemalige Vömel-Haus in Bad Ems ins Gespräch. Positiv fällt auf, dass Minor selbst keine fertige Lösung verspricht. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass Gebäude, Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten zunächst fachlich geprüft werden müssten.
Minors Konzept für ein mögliches kommunales MVZ
Damit bleibt allerdings auch die entscheidende finanzielle Frage unbeantwortet. Ein kommunales MVZ kann medizinische Versorgung sichern, kann aber ebenfalls Investitionen, Personalrisiken und laufende Verluste verursachen. Solange keine Wirtschaftlichkeitsrechnung für Bad Ems-Nassau vorliegt, lässt sich weder behaupten, das Modell werde zum Zuschussgeschäft, noch kann man versprechen, es werde finanziell problemlos funktionieren.
Minors Ansatz verdient deshalb weder vorschnellen Applaus noch vorschnelle Ablehnung. Die richtige Frage lautet: Welches wirtschaftliche Risiko dürfte die VG übernehmen, wenn ihr eigener Haushalt ab 2027 bereits Defizite vorsieht?
Schmidt: Der Veränderungskandidat muss konkreter werden
Lino Antonio Schmidt tritt für die AfD an. Der AfD-Kreisverband präsentiert ihn als Bürgermeisterkandidaten und setzte im Wahlkampf stark auf Infostände und direkte Fragen an die Bürger: Was läuft gut, wo liegen Probleme und was müsse sich künftig ändern?
Wahlkampfseite des AfD-Kreisverbandes Rhein-Lahn
Bei der Online-Recherche ergibt sich allerdings ein Unterschied zu seinen Mitbewerbern: Auf den von uns geprüften Seiten des Kreisverbandes fanden wir kein ähnlich ausführliches, zentral gebündeltes kommunales Maßnahmenprogramm, in dem Kosten, Prioritäten und konkrete Umsetzungsschritte für die VG Bad Ems-Nassau detailliert dargestellt werden. Das bedeutet nicht, dass Schmidt keine Positionen vertritt oder im persönlichen Wahlkampf keine konkreteren Aussagen gemacht hat. Für einen nachprüfbaren Online-Vergleich unmittelbar vor der Wahl ist eine geringere Dokumentation jedoch ein Nachteil.
Gerade ein Bewerber, der Veränderung verspricht, muss deutlich machen, was davon organisatorisch, rechtlich und finanziell tatsächlich in der Macht eines VG-Bürgermeisters liegt. Ein Verwaltungschef kann Schwerpunkte setzen, Personal führen, Vorlagen erarbeiten und politische Projekte anschieben. Über Haushalt, Satzungen und zahlreiche größere Investitionen entscheidet aber der Verbandsgemeinderat. Wer einen radikalen Kurswechsel verspricht, braucht deshalb am Ende auch Mehrheiten.
Sieben Jahre nach der Fusion zahlen Bürger noch unterschiedlich
Ein besonders greifbarer Konflikt versteckt sich im Gebührenblatt. Die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau existiert seit der Fusion Anfang 2019. Bei der Abwasserentsorgung bestehen 2026 trotzdem weiterhin unterschiedliche Abrechnungsgebiete.
Für einen Kubikmeter Schmutzwasser fallen im ehemaligen Gebiet Bad Ems 2,53 Euro, im ehemaligen Gebiet Nassau 2,79 Euro an. Der wiederkehrende Beitrag für Schmutzwasser beträgt 0,10 beziehungsweise 0,14 Euro je Quadratmeter gewichteter Grundstücksfläche. Beim Niederschlagswasser stehen 0,56 Euro in Bad Ems 0,67 Euro in Nassau gegenüber. Selbst die einmaligen Kanalbaubeiträge unterscheiden sich erheblich.
Das ist nicht automatisch ungerecht. Unterschiedliche Anlagen, Investitionen, Kostenstrukturen und frühere Vermögenslagen können unterschiedliche Entgelte rechtfertigen. Trotzdem zeigt der Zustand, wie wenig eine Verwaltungsfusion allein finanzielle Einheit schafft.
Hinzu kommt eine Sonderumlage für die Kindertagesstätten im Gebiet der ehemaligen VG Nassau. Für 2026 beträgt der vorläufige Hebesatz 13,24 Prozent, das Umlagesoll rund 1,793 Millionen Euro.
Krügel möchte die Kita-Trägerschaft auf Ebene der Verbandsgemeinde vereinheitlichen und spricht ausdrücklich von faireren Bedingungen zwischen den früheren Verbandsgemeindeteilen. Das wäre ein politischer Schritt hin zu stärkerer Einheit. Allerdings müsste auch hier geklärt werden, welche finanziellen Folgen eine solche Neuordnung für die einzelnen Gemeinden und den VG-Haushalt hätte.
Die Werke stehen vor einem gewaltigen Investitionsprogramm
Noch größer werden die Zahlen bei Wasser und Abwasser. Für den Betriebszweig Wasserversorgung erlaubt die Haushaltssatzung 2026 Investitionskredite von bis zu 8,488 Millionen Euro. Für die Abwasserentsorgung sind insgesamt bis zu 8,261 Millionen Euro vorgesehen: 4,631 Millionen Euro für das Abrechnungsgebiet Bad Ems und 3,630 Millionen Euro für Nassau.
Diese Summen darf man nicht einfach auf die allgemeine Kreditaufnahme der Verbandsgemeinde draufschlagen und daraus eine plakative Gesamtschuldenzahl konstruieren. Die Verbandsgemeindewerke bilden einen Eigenbetrieb mit eigenen Wirtschaftsplänen. Ebenso bedeutet eine Kreditermächtigung nicht automatisch, dass jeder genehmigte Euro tatsächlich aufgenommen wird.
Trotzdem zeigen die Größenordnungen, warum Versprechen über langfristig stabile Wasser- und Abwasserpreise finanzielle Substanz brauchen. Leitungsnetze, Anlagen und Versorgungssicherheit lassen sich nicht mit politischen Parolen erneuern. Wenn Investitionen notwendig sind, muss am Ende jemand zahlen – über Gebühren, Beiträge, Zuschüsse, Kredite oder eine Kombination daraus.
16,5 Millionen Euro „Sondervermögen“: Vorsicht vor einer Zahl
Im Wahlkampf tauchte außerdem die Zahl von 16,5 Millionen Euro im Zusammenhang mit einem „Sondervermögen“ auf. Genau hier ist journalistische Vorsicht notwendig.
2halb3-News konnte bei der Prüfung öffentlich zugänglicher amtlicher Unterlagen nicht belastbar feststellen, dass der Verbandsgemeinde ein frei verfügbares Sondervermögen von exakt 16,5 Millionen Euro zur Verfügung steht.
Amtlich bestätigt ist dagegen ein anderes Programm: Aus dem Regionalen Zukunftsprogramm „Regional. Zukunft. Nachhaltig.“ erhält Bad Ems-Nassau 4.592.721 Euro. Das rheinland-pfälzische Innenministerium nennt gerundet 4,593 Millionen Euro.
Informationen des Landes zum Regionalen Zukunftsprogramm
Daneben behandelte der Hauptausschuss am 12. März 2026 unter einem eigenen Tagesordnungspunkt eine „Vorauswahl Förderprojekte aus dem Sondervermögen Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“. Die öffentliche Ratsinformationsseite dokumentiert den Tagesordnungspunkt und eine einstimmige Zustimmung. Anders als bei zahlreichen benachbarten Punkten ist dort jedoch keine separate öffentliche Beschlussvorlage mit einer detaillierten Projekt- und Mittelübersicht verlinkt.
Öffentliche Sitzung des Hauptausschusses vom 12. März 2026
Zusätzlich verwendet die Haushaltssatzung den Begriff „Sondervermögen mit Sonderrechnungen“ für die Verbandsgemeindewerke. Dabei geht es wiederum um etwas anderes. Wer all diese Töpfe zusammenwirft, erzeugt schnell eine Millionensumme, die zwar beeindruckend klingt, aber fachlich verschiedene Dinge vermischt.
Gerade deshalb wäre mehr Klarheit hilfreich. Bürger sollten erkennen können, welches Förderprogramm wie viel Geld bringt, welche Projekte damit finanziert werden, welcher Eigenanteil anfällt und welche Entscheidungen der Rat bereits getroffen hat. Transparenz bedeutet nicht nur, Dokumente irgendwo bereitzustellen. Sie bedeutet auch, komplexe Millionenentscheidungen nachvollziehbar zu erklären.
Erfahrung, Fachwissen oder politischer Neustart reichen allein nicht
Die drei Kandidaten bieten den Wählern tatsächlich unterschiedliche Profile. Krügel kann auf umfangreiche praktische Kommunalerfahrung verweisen, trägt aber als amtierender Stadtbürgermeister und VG-Ratsmitglied auch einen Teil der bestehenden politischen Geschichte mit. Minor bringt ausgeprägte Verwaltungsexpertise mit und formuliert einzelne neue Modelle, muss deren Finanzierung jedoch erst beweisen. Schmidt kann sich als Kandidat für einen stärkeren politischen Wechsel präsentieren, muss seine Vorstellungen jedoch so konkret dokumentieren, dass Bürger Kosten und Machbarkeit genauso prüfen können wie bei den anderen Bewerbern.
Keine dieser Ausgangslagen ist automatisch besser oder schlechter. Entscheidend ist, was daraus im Amt folgt.
Der künftige Bürgermeister wird nicht nur Feste besuchen, Sitzungen leiten und Förderbescheide entgegennehmen. Er muss entscheiden, welche Investitionen zuerst kommen, wie die Verwaltung leistungsfähig bleibt, wie viel Verschuldung langfristig vertretbar ist und wie die finanzielle Belastung zwischen VG und Gemeinden verteilt wird. Gleichzeitig muss er Mehrheiten in einem Rat organisieren, der auch künftig selbst über die großen Haushaltsentscheidungen abstimmt.
Die unangenehme Frage lautet: Was würde gestrichen?
Im Wahlkampf lässt sich leicht sagen, was zusätzlich entstehen soll. Politisch interessanter wäre eine andere Antwort: Was würde ein Kandidat nicht machen, wenn das Geld nicht reicht?
Welche Investition hätte Vorrang? Welche könnte warten? Wie hoch darf die VG-Umlage werden? Welche Kosten darf ein kommunales Gesundheitsprojekt verursachen? Wann sollen alte finanzielle Strukturen der beiden früheren Verbandsgemeinden vereinheitlicht werden? Und wie hoch darf die Kreditlast wachsen, bevor aus Investitionen eine Belastung für kommende Haushalte wird?
Genau daran sollte man den Wahlsieger später messen.
Am Sonntag geht es deshalb um mehr als drei Namen. Es geht darum, wer Bad Ems-Nassau durch Jahre führen kann, in denen Wünsche und finanzielle Möglichkeiten immer häufiger auseinanderfallen dürften.
Und vielleicht ist die wichtigste Frage dieser Wahl nicht: Wer verspricht am meisten? Sondern: Wer sagt den Bürgern auch, was nicht mehr geht?
Wie erleben Sie die Verwaltung in Bad Ems-Nassau? Sind unterschiedliche Gebühren für Sie noch nachvollziehbar? Wo wird Ihrer Ansicht nach zu viel oder zu wenig investiert? 2halb3-News interessiert besonders, welche konkreten Erfahrungen Bürger aus den Städten und Ortsgemeinden gemacht haben.
- Quellen:
- Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau – Wahlinformationen und Ergebnisse
- Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz – Direktwahlen 2026
- Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz – Regeln für Direkt- und Stichwahlen
- VG Bad Ems-Nassau – Haushalt 2026
- VG-Ratsinformation – Sitzung und Haushaltsbeschluss vom 11. Dezember 2025
- VG-Ratsinformation – Sitzungsniederschrift vom 11. Dezember 2025
- VG-Ratsinformation – Hauptausschuss vom 12. März 2026
- Innenministerium Rheinland-Pfalz – Regionales Zukunftsprogramm
- Oliver Krügel – Themen und Standpunkte
- Manuel Minor – Kandidatur und Ziele
- Manuel Minor – Vorschlag eines kommunalen MVZ
- AfD Rhein-Lahn – Informationen zur Kandidatur Lino Antonio Schmidt
- Eigene Recherche von 2halb3-News: Abgleich der Wahl- und Kandidateninformationen, Gegenprüfung des Haushalts 2026, der mittelfristigen Finanzplanung, Kreditentwicklung, Umlagen, Gebührenstrukturen, Förderprogramme und öffentlich zugänglichen Ratsunterlagen; Stand 5. September 2026.

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