Das Gerätehaus der Stützpunktwehr Höhn weist erhebliche Sicherheitsmängel auf. Ein Neubau gilt als notwendig, doch vollständige Kosten, Finanzierung und ein verbindlicher Bauplan bleiben öffentlich offen.
Ein Feuerwehrhaus, das den eigenen Einsatzkräften Risiken zumutet
Vier Einsatzfahrzeuge auf drei Stellplätzen, Umkleiden in der Fahrzeughalle, fehlende Abgasabsaugung und Alarmwege, die sich mit ausrückenden Fahrzeugen kreuzen: Das Feuerwehrhaus in Höhn steht nicht nur für räumliche Enge. Die öffentliche Machbarkeitsstudie beschreibt erhebliche Mängel beim Arbeitsschutz und bei der Einsatzlogistik. Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz stellte bereits Ende 2022 Mängel fest. Der Hauptausschuss der Verbandsgemeinde Westerburg hielt im August 2025 fest, das Gebäude entspreche „im Ergebnis nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen“.
Damit geht es nicht um einen Wunsch nach mehr Komfort. Wer im Alarmfall durch ein Fahrzeugtor ins Gebäude gelangt, sich zwischen Einsatzfahrzeugen umzieht und dabei Dieselabgasen ausgesetzt sein kann, trägt ein Risiko, das die öffentliche Hand nicht kleinreden darf. Die 36 Aktiven der Feuerwehr Höhn sichern nicht nur den Brandschutz vor Ort. Die Stützpunktwehr übernimmt mit Atemschutz- und Gerätewerkstatt Aufgaben für die Verbandsgemeinde. Die Feuerwehr Höhn führt unter anderem HLF, Tanklöschfahrzeug, Mehrzweckfahrzeug und Notstromanhänger.
Die Gutachter dokumentieren weitere Schwachstellen: Schutzkleidung und private Kleidung lassen sich nicht sauber voneinander trennen, Duschen fehlen, Gefahrstoffe lagern nicht in den vorgesehenen Auffangsystemen. In den Werkstätten reichen Bewegungsflächen und Raumhöhe nicht aus. Beim Atemluftkompressor sehen die Fachleute wegen eingeschränkter Zugänglichkeit, Überhitzung und Sonneneinstrahlung sogar das Risiko eines Ausfalls. Wer Atemschutz trägt, muss sich darauf verlassen können, dass Technik und Hygiene funktionieren.
Der Neubau ist kein Luxusprojekt
Am bisherigen Standort in der Grubenstraße gibt es nach der Studie keine überzeugende Lösung. Das Grundstück misst rund 1.741 Quadratmeter. Allein die notwendigen Mindestflächen für Gebäude, Stauraum und Alarmparkplätze würden rechnerisch etwa 2.016 Quadratmeter erfordern. Ein Umbau würde massiv in den Bestand eingreifen und wäre nach Einschätzung der Gutachter zugleich unwirtschaftlich.
Das Gewerbegebiet „Am Gewerbepark“ an der B255 bietet dagegen Platz für eine funktionale Lösung. Geplant sind getrennte Alarmparkplätze, eine kreuzungsfreie Ausfahrt, getrennte Umkleiden, Sanitärbereiche, Dekontamination, Abgasabsaugung sowie ausreichend Flächen für Atemschutz-, Geräte- und Lagerbereiche. Die Fachplanung geht davon aus, dass die B255 trotz des neuen Standortes weiterhin in deutlich weniger als einer Minute nach dem Ausrücken erreichbar bleibt. Die vollständige Machbarkeitsstudie und die zugrunde liegende Verwaltungsvorlage stehen im Ratsinformationssystem der VG Westerburg.
Der Nutzen für die Bevölkerung liegt damit auf der Hand: Einsatzkräfte sollen sicherer und schneller zu ihren Fahrzeugen kommen. Atemschutzgeräte und Pumpentechnik sollen zuverlässig bereitstehen. Ein modernes Haus kann zudem helfen, das Ehrenamt zu sichern. Gerade bei einer freiwilligen Feuerwehr darf die Kommune nicht erwarten, dass Frauen und Männer ihre Gesundheit für Mängel opfern, die seit Jahren bekannt sind.
Der Konflikt beginnt beim Geld
Die Verbandsgemeinde hat den Bedarf anerkannt, aber die finanzielle Transparenz hält damit bislang nicht Schritt. Die Studie aus dem Jahr 2024 setzt für Bauwerk, technische Anlagen und Außenflächen bereits 5,18 Millionen Euro brutto an. Das ist kein Endpreis. Grundstück, vorbereitende Maßnahmen, Ausstattung, Planungskosten, Finanzierung, Baugrundrisiken und mögliche Arbeiten im öffentlichen Verkehrsraum enthält dieser Betrag ausdrücklich nicht.
Im Haushaltsplan 2026 findet sich für die weiterhin so bezeichnete Maßnahme „An- und Umbau Feuerwehrgerätehaus Höhn“ hingegen ein Gesamtansatz von 300.000 Euro: 100.000 Euro bis 2025 und 200.000 Euro für 2026. Für die Folgejahre 2027 bis 2029 weist die Investitionsübersicht keine weiteren Ansätze aus. Daraus folgt nicht, dass der Neubau nicht kommen kann. Es zeigt aber eine gravierende offene Frage: Wann legt die VG einen belastbaren Gesamtpreis und einen Finanzierungsplan vor?
Diese Frage trifft die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde unmittelbar. Der Haushaltsplan rechnet für die Jahre 2026 bis 2028 bei Investitionen nach Verbrauch der freien Finanzspitze mit Kreditaufnahmen. Die Verbandsgemeinde finanziert einen großen Teil ihrer Aufgaben über die Verbandsgemeindeumlage der Ortsgemeinden. Ohne transparente Gesamtrechnung lässt sich nicht beurteilen, welche Belastung der Neubau auslöst, welche Förderung das Land übernimmt und welche Investitionen dadurch warten müssen. Der Haushaltsplan 2026 ist öffentlich abrufbar.
Hinzu kommt: Die VG mietet nach eigener Vorlage seit 2020 eine Lagerhalle im Höhner Gewerbegebiet an, weil das vorhandene Haus Material und Ersatzteile nicht mehr aufnehmen kann. Die jährlich entstehenden Kosten dieser Übergangslösung schlüsseln die vorliegenden Projektunterlagen nicht auf. Ebenso fehlt öffentlich ein Plan, wie die Atemschutz- und Gerätewerkstatt während eines Umzugs ohne Ausfälle weiterarbeiten soll.
Zustimmung zum Neubau, aber Streit über die Umsetzung
Im Hauptausschuss bestand Einigkeit darüber, dass Höhn handeln muss. Das Gremium ermächtigte die Verwaltung am 19. August 2025, die Planung fortzuführen und einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Das Ergebnis: elf Ja-Stimmen, keine Gegenstimme, eine Enthaltung. Bürgermeister Markus Hof nannte damals eine mögliche Fertigstellung in fünf bis sechs Jahren.
Die Debatte zeigte dennoch berechtigte politische Unterschiede. FDP-Fraktionschef Peter Weber fragte nach Grundstücksauswahl, Fördermitteln und Zeitablauf. Grünen-Fraktionschef Günter Weigel lenkte den Blick auf den Zustand weiterer Feuerwehrhäuser in der Verbandsgemeinde. Dr. Ulrike Fuchs von der Wählergruppe WuB wollte prüfen lassen, ob ein Bau auf weniger Gewerbefläche möglich ist. Sie kritisierte zudem, dass in der Kostendarstellung wichtige Positionen fehlten. Die CDU und die SPD hinterließen im öffentlichen Protokoll keine eigene Wortmeldung zu Standort, Kosten oder Finanzierung; daraus lässt sich keine weitergehende Haltung ableiten.
Verantwortung trägt zunächst die Verbandsgemeinde Westerburg. Sie ist Trägerin des Brandschutzes und muss die Sicherheit ihrer Feuerwehrangehörigen gewährleisten. Bürgermeister Markus Hof vertritt die Verwaltung nach außen, der Verbandsgemeinderat entscheidet über Haushalt und die nächsten Bauphasen. Collin Schmidt verantwortete die Verwaltungsvorlage aus der Ordnungs- und Sozialabteilung. Wehrleiter und Wehrführer Peter Baumann benennt den fachlichen Bedarf, trägt aber nicht die politische Verantwortung für Haushalt und Vergabe. Die Ortsgemeinde Höhn muss nach Darstellung der Verwaltung bei der Bereitstellung eines geeigneten Grundstücks mitwirken. Das öffentliche Sitzungsprotokoll dokumentiert Debatte und Beschluss.
Bekannte Gefahr darf nicht zur Dauerlösung werden
Der Neubau darf nicht an der Frage scheitern, ob Feuerwehrleute ihn „wirklich brauchen“. Das belegen Unfallkasse, Fachplanung und Ausschuss selbst. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Warum bleibt eine Einrichtung mit festgestellten Mängeln über Jahre im Übergangsmodus, während die vollständige Finanzierung weiter nicht öffentlich auf dem Tisch liegt?
Die Verbandsgemeinde muss nun offenlegen, welche Sofortmaßnahmen sie bis zum Neubau umsetzt, was das Projekt nach heutigem Preisstand tatsächlich kostet, welche Fördergelder sie beantragt hat und wann Bürger mit einem Baubeginn rechnen können. Sicherheit braucht Geld. Aber sie braucht ebenso einen nachvollziehbaren Plan.
Wer arbeitet oder war bei Einsätzen im Feuerwehrhaus Höhn dabei? Welche Erfahrungen gibt es mit Platzmangel, Alarmwegen oder der Übergangslagerung? Schreiben Sie uns vertraulich an die Redaktion.
- Quellen
- Machbarkeitsstudie Feuerwehrhaus Höhn und Verwaltungsvorlage, VG Westerburg
- Öffentliches Protokoll des Hauptausschusses vom 19. August 2025, VG Westerburg
- Haushaltsplan 2026 der Verbandsgemeinde Westerburg
- Feuerwehr Höhn, Verbandsgemeinde Westerburg
- DGUV-Information 205-008: Sicherheit im Feuerwehrhaus
- Eigene Recherche von 2halb3-News

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