Dunkles, fotorealistisches Nachrichtenmotiv zum Zulassungs-Chaos im Rhein-Lahn-Kreis: Vor einem regnerischen Parkplatz stehen mehrere Autos in einer Warteschlange. Links dominieren die weißen Worte „Zulassung nur mit Termin?“, darunter die rote Akzentzeile „Warten statt fahren“. Ein gelber Pinselbalken nennt den Rhein-Lahn-Kreis; der dunkle Infobalken verweist auf Bad Ems und Lahnstein. Der untere Bereich bleibt frei für Logo und KI-Hinweis.

Eine eigene Stichprobe zeigt: Wer im Rhein-Lahn-Kreis ein neues Fahrzeug persönlich zulassen will, findet erst im September einen Termin. Lahnsteiner dürfen nicht auf andere Standorte ausweichen – und können derzeit auch keine Online-Zulassung nutzen. Am Montag erreicht das Problem den Kreisausschuss.

Bis zu 26 Tage warten: Zulassung im Rhein-Lahn-Kreis unter Druck

Wer am 14. August im Rhein-Lahn-Kreis einen Termin für die Neuzulassung eines fabrikneuen Autos suchte, bekam eine ernüchternde Antwort: vor September läuft nichts. Die frühesten verfügbaren Termine lagen bei einer Stichprobe von 2halb3 zwischen dem 7. und 9. September 2026.

In Lahnstein zeigte das System den 7. September um 10.40 Uhr an. Nastätten folgte am 8. September um 8.15 Uhr, Diez am selben Tag um 11 Uhr. In Bad Ems erschien als früheste Möglichkeit der 9. September um 8.45 Uhr.

Das sind je nach Standort 24 bis 26 Kalendertage Wartezeit für einen regulären persönlichen Zulassungstermin. Nicht irgendwann während einer außergewöhnlichen Schließung, sondern mitten im normalen Verwaltungsbetrieb.

Ein Terminsystem ohne sichtbaren Puffer

Die Kreisverwaltung Rhein-Lahn verlangt für ihre Zulassungsstellen in Bad Ems, Diez und Nastätten zwingend eine vorherige Terminvereinbarung. Einfach hingehen und warten ist offiziell keine verlässliche Alternative.

Terminsteuerung kann sinnvoll sein. Sie verhindert volle Warteräume, verteilt Arbeit und gibt Bürgern eine feste Uhrzeit. Dieses Modell funktioniert jedoch nur, wenn ausreichend Termine bereitstehen. Wer Bürger ohne Termin ausschließt, zugleich aber erst in mehr als drei Wochen einen Termin anbietet, hat kein komfortables Buchungssystem geschaffen. Er hat die Warteschlange lediglich aus dem Gebäude ins Internet verlegt.

Wie viele Termine der Kreis täglich freischaltet, bleibt öffentlich unbekannt. Ebenso fehlen Zahlen zur Besetzung der einzelnen Standorte, zu krankheitsbedingten Ausfällen, nicht wahrgenommenen Terminen, kurzfristigen Stornierungen und zur Zahl der täglich erledigten Vorgänge.

Eine Öffnungszeit allein sagt darüber nichts aus. Vier Stunden geöffnete Tür bedeuten noch lange nicht vier Stunden frei zugängliche Dienstleistung.

Bereits Anfang August hatte 2halb3 über die generelle Terminpflicht in der Kreisverwaltung Rhein-Lahn berichtet. Damals fehlten öffentlich nachvollziehbare Angaben zur tatsächlichen Terminlage. Die aktuelle Stichprobe liefert nun einen konkreten Befund: Für eine übliche Neuzulassung waren an keinem kreiseigenen Standort kurzfristige Termine verfügbar.

Lahnstein: ein Standort, keine Ausweichmöglichkeit

Besonders eng ist das System für Einwohner der Stadt Lahnstein. Sie dürfen ihre Fahrzeuge nicht in Bad Ems, Diez oder Nastätten zulassen. Der Kreis verweist sie ausschließlich an das städtische Service-Center.

Diese Sonderregel stammt aus dem April 2021. Als Begründung nannten Stadt und Kreis damals unter anderem die Corona-Pandemie, deren Folgen für die Terminvergabe und eine „verursachungsgerechte“ Bearbeitung. Auf der aktuellen Kreisseite steht noch immer, die Zulassung in Bad Ems sei für Lahnsteiner „bis auf weiteres“ nicht möglich.

Aus einem Ausnahmezustand ist damit eine Dauerregel geworden.

Während andere Einwohner des Rhein-Lahn-Kreises zwischen drei Standorten wählen können, bleibt Lahnsteinern genau eine Anlaufstelle. Fällt dort Personal aus oder sind die Termine belegt, gibt es innerhalb des öffentlichen Systems keinen örtlichen Ausweg.

Auch die Online-Zulassung fällt in Lahnstein aus

Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Laut der aktuellen Seite des Service-Centers Lahnstein sind für Halter aus der Stadt derzeit weder Online-Zulassungen noch Online-Außerbetriebsetzungen möglich. Die Stadt erklärt, sie arbeite an einer Lösung.

Damit trifft die Standortbeschränkung ausgerechnet jene Bürger besonders hart, denen auch der digitale Ersatzweg fehlt. Wer sein Anliegen nicht aufschieben kann, bleibt auf einen persönlichen Termin angewiesen.

Im April 2026 räumte die Stadt selbst ein, dass Lahnsteiner durch blockierte Termine mit erheblichen Wartezeiten konfrontiert seien. Verantwortlich machte sie damals Buchungen von Menschen aus dem übrigen Kreisgebiet. Diese würden vor Ort nicht bedient und müssten wieder gehen.

Die Erklärung wirft allerdings eine größere Frage auf: Reicht die Kapazität des Lahnsteiner Standorts grundsätzlich aus, wenn schon Fremdbuchungen das Angebot spürbar aus dem Takt bringen?

Auch bei der Adresse zeigt sich eine unnötige Unklarheit. Die aktuelle städtische Serviceseite nennt wegen der vorübergehenden Unterbringung den Salhofplatz. Das Terminportal zeigte bei der Recherche weiterhin die Westallee 5–7 an. Wer einen verbindlichen Termin verlangt, sollte wenigstens den Weg dorthin eindeutig beschreiben.

Das Problem steht am Montag auf der Tagesordnung

Die langen Wartezeiten beschäftigen nun auch die Kreispolitik. In der Sitzung des Kreisausschusses am 17. August 2026 steht unter Tagesordnungspunkt 3 eine „Information Terminvergabe KFZ-Zulassungsstelle“.

Ein öffentliches Informationspapier oder eine schriftliche Stellungnahme der Verwaltung war dort bis zum 14. August nicht hinterlegt.

Zusätzlich findet sich unter Tagesordnungspunkt 10 eine Kleine Anfrage der AfD-Kreistagsfraktion. Genau genommen handelt es sich also nicht um einen Antrag auf eine konkrete Entscheidung, sondern um einen umfangreichen Fragenkatalog. Die Unterscheidung ist wichtig: Eine Anfrage zwingt zur politischen und öffentlichen Erklärung, beschließt aber noch keine Verbesserung.

Die Fraktion fragt nach organisatorischen, personellen und technischen Ursachen, nach offenen Stellen, Krankheitsständen und der Zahl der täglich bearbeiteten Vorgänge. Außerdem verlangt sie Angaben zu Händlerkontingenten, kurzfristig abgesagten Terminen, der Nutzung von i-Kfz und zu möglichen Vorbildern anderer Behörden.

Als Ausgangspunkt nennt die AfD eine am 9. August veröffentlichte landesweite Medien-Stichprobe. Danach habe der Rhein-Lahn-Kreis bei der Wartezeit den letzten Platz unter 36 rheinland-pfälzischen Zulassungsbehörden belegt. 2halb3 hat diese vollständige landesweite Vergleichsabfrage nicht unabhängig wiederholt. Unsere eigene Kontrolle bestätigt aber den Kern des Problems: Auch fünf Tage später lagen die frühesten Termine noch 24 bis 26 Tage entfernt.

Transparenz wäre der erste Schritt

Ob Personalmangel, technische Probleme, falsche Terminplanung oder eine ungewöhnlich hohe Nachfrage hinter dem Rückstau stehen, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht seriös ableiten. Genau deshalb muss die Kreisverwaltung Zahlen vorlegen.

Wie viele Beschäftigte arbeiten tatsächlich an jedem Standort? Wie viele Termine stehen täglich Bürgern zur Verfügung? Welche Kontingente gehen an Händler oder Zulassungsdienste? Wie oft bleiben reservierte Zeitfenster ungenutzt? Warum erhalten Lahnsteiner seit mehr als fünf Jahren keinen Zugang zu den kreiseigenen Stellen? Und wann funktioniert für sie endlich wieder die Online-Zulassung?

Die Verwaltung kann am Montag zeigen, ob sie lediglich über das Problem informiert oder konkrete Lösungen präsentiert. Denkbar wären zusätzliche Zeitfenster, eine flexible Verteilung zwischen den Standorten, kurzfristig buchbare Stornotermine oder begrenzte offene Sprechstunden für dringende Fälle.

Vor allem braucht es ein überprüfbares Ziel. „Wir arbeiten daran“ ist keine Wartezeit und kein Termin.

Wer sein Auto für den Arbeitsweg benötigt, einen Gebrauchtwagen übernehmen will oder mit einer Frist kämpft, kann einen Behördenstau nicht einfach wegorganisieren. Die Kosten der Verzögerung landen beim Bürger – während die Verwaltung bislang nicht einmal ihre tägliche Kapazität offenlegt.

Haben Sie in Bad Ems, Diez, Nastätten oder Lahnstein auf einen Zulassungstermin gewartet? Wurde Ihnen kurzfristig geholfen oder mussten Sie mehrere Wochen überbrücken? Schreiben Sie uns bitte mit Datum, Standort, Anliegen und tatsächlicher Wartezeit. Hinweise behandeln wir auf Wunsch vertraulich.

Quellen:

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