Journalistisches Krankenhausmotiv zum geplanten Umbau der Schlaganfallversorgung im Westerwaldkreis ab 2027.

Das Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach behandelt heute Schlaganfallpatienten auf einer regionalen Stroke Unit mit vier Betten. In der vom Land veröffentlichten Krankenhausplanung für 2027 fehlen für Dernbach jedoch sowohl „Allgemeine Neurologie“ als auch „Stroke Unit“. Selters soll beide Leistungsgruppen erhalten. Ob die Dernbacher Einheit tatsächlich zum Jahreswechsel wegfällt, ist bislang nicht entschieden.

Was wird aus der Stroke Unit in Dernbach ab 2027?

Das Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach versorgt heute akut erkrankte Schlaganfallpatienten auf einer eigenen regionalen Stroke Unit. Vier Betten stehen dafür nach Angaben des Krankenhauses zur Verfügung. In der Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz für das kommende Jahr findet sich genau diese spezialisierte Versorgung für Dernbach bislang jedoch nicht wieder.

Die am 1. September 2026 veröffentlichte Liste der beabsichtigten Leistungsgruppen enthält für das Herz-Jesu-Krankenhaus weder die Leistungsgruppe „Allgemeine Neurologie“ noch die Leistungsgruppe „Stroke Unit“. Am Standort Selters sind dagegen beide Gruppen sowie die neurologische Frührehabilitation vorgesehen.

Damit stellt sich für den Westerwaldkreis eine unmittelbar patientenrelevante Frage: Was wird ab 2027 aus der bestehenden Schlaganfallversorgung in Dernbach?

Eine endgültige Antwort darauf gibt es noch nicht.

DAS WICHTIGSTE

Dernbach heute: Das Herz-Jesu-Krankenhaus betreibt eine regionale Stroke Unit mit vier Betten.

Planung 2027: Für Dernbach sind derzeit weder die Leistungsgruppe Allgemeine Neurologie noch Stroke Unit vorgesehen.

Selters: Der Standort soll Allgemeine Neurologie, Stroke Unit und neurologische Frührehabilitation erhalten.

Noch offen: Die veröffentlichte Liste ist keine endgültige Entscheidung. Ob die Stroke Unit Dernbach tatsächlich entfällt und wie sich die Rettungswege verändern, ist bislang nicht geklärt.

Dernbach behandelt Schlaganfälle heute rund um die Uhr

Das Herz-Jesu-Krankenhaus beschreibt die eigene Schlaganfall-Akutversorgung detailliert. Bei einem Verdacht auf Schlaganfall stehen demnach ein speziell geschultes Ärzte-, Pflege- und Therapeutenteam sowie medizintechnische Ausstattung in 24-Stunden-Bereitschaft zur Verfügung.

Zur Diagnostik gehören unter anderem Computertomographie und CT-Angiographie. Bei einer Durchblutungsstörung kann nach Angaben des Krankenhauses eine intravenöse Thrombolyse eingeleitet werden. Anschließend werden Patienten auf der regionalen Stroke Unit überwacht. Das Krankenhaus weist für diese Einheit ausdrücklich vier Betten aus.

Das ist also kein Angebot, das nur auf dem Papier existiert: Dernbach beschreibt eine konkrete bestehende Akutversorgung für Schlaganfallpatienten.

In der Landesplanung fehlt die Stroke Unit

Rheinland-Pfalz hat die Anträge der Krankenhäuser auf die künftigen Leistungsgruppen inzwischen geprüft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums flossen dabei mehr als 1.200 Gutachten des Medizinischen Dienstes ein. Daneben seien unter anderem Fallzahlen, Versorgungsdichte, Einzugsgebiete und regionale Versorgungskriterien berücksichtigt worden.

Für Dernbach sieht die veröffentlichte Liste insgesamt 19 Leistungsgruppen vor. Dazu gehören beispielsweise komplexe Gastroenterologie, EPU/Ablation, interventionelle Kardiologie, spezialisierte Gefäßmedizin, Hüft- und Knieendoprothetik, Wirbelsäuleneingriffe, Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Geriatrie, Palliativmedizin und Intensivmedizin.

Nicht aufgeführt sind jedoch die Leistungsgruppen 53 „Allgemeine Neurologie“ und 54 „Stroke Unit“.

Das ist der entscheidende dokumentarische Befund.

Er bedeutet allerdings noch nicht, dass die Stroke Unit in Dernbach zum 31. Dezember geschlossen wird.

Selters soll Stroke-Unit-Standort bleiben

Anders sieht die veröffentlichte Planung für Selters aus. Dort sind sechs Leistungsgruppen vorgesehen: Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Neurologie, Stroke Unit, neurologische Frührehabilitation Phase B, Palliativmedizin und Intensivmedizin.

Eine spezialisierte Schlaganfallversorgung gibt es dort bereits heute. Das Evangelische Klinikum Westerwald beschreibt die Stroke Unit in Selters als regional zertifizierte Schlaganfalleinheit unter neurologischer Leitung. Die Klinik wurde zuletzt 2024 erneut zertifiziert; damals gab das Krankenhaus sechs Stroke-Unit-Betten an.

Die Landesplanung würde damit das neurologische Profil von Selters grundsätzlich fortführen.

Nicht belegt ist dagegen, dass künftig sämtliche Schlaganfallpatienten des Westerwaldkreises nach Selters gebracht würden.

Die Planung für 2027 ist noch nicht endgültig

Das Gesundheitsministerium spricht ausdrücklich von beabsichtigten Zuweisungen.

Nach der Veröffentlichung am 1. September folgt ein fachlicher Dialog mit den Krankenhäusern und weiteren Beteiligten. Das Verfahren soll noch im Jahr 2026 abgeschlossen werden. Der neue Krankenhausplan und die Leistungsgruppenzuordnungen sollen zum 1. Januar 2027 wirksam werden.

Bis dahin können sich die veröffentlichten Planungen noch verändern.

Offen ist derzeit insbesondere, ob Dernbach die Leistungsgruppen Allgemeine Neurologie und Stroke Unit beantragt hat, warum sie in der veröffentlichten Planung fehlen und ob der Standort im laufenden Verfahren noch eine entsprechende Zuweisung erhalten könnte.

2halb3 hat dazu unter anderem das Gesundheitsministerium und das Herz-Jesu-Krankenhaus angefragt.

Was bedeutet das für die Rettungswege?

Auch diese Frage lässt sich derzeit nicht seriös mit einem einfachen Kilometervergleich beantworten.

Der Westerwaldkreis ist die zuständige Rettungsdienstbehörde für den Rettungsdienstbereich Montabaur. Dieser umfasst neben dem Westerwaldkreis auch die Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Rhein-Lahn. Die Integrierte Leitstelle Montabaur koordiniert die Einsätze im gesamten Gebiet.

Der Versorgungsstrukturplan des Rettungsdienstes beschreibt ausdrücklich eine fortlaufend zu betrachtende Versorgungsstruktur. Eine öffentlich dokumentierte gemeindescharfe Zielklinikplanung für Schlaganfallpatienten ab 2027 liegt 2halb3 bislang nicht vor.

Deshalb wäre die Behauptung, die Rettungswege würden im gesamten Westerwaldkreis länger, derzeit nicht belegt.

Geografisch wäre eine Veränderung insbesondere für den näheren Raum Dernbach, Wirges und Montabaur relevant, weil die bestehende Stroke Unit dort heute unmittelbar in der Region liegt. Welche Klinik der Rettungsdienst ab 2027 im konkreten Notfall ansteuern würde, hängt jedoch von der künftigen Versorgungsstruktur und der medizinischen Einsatzentscheidung ab.

Die Stroke Unit ist nicht die einzige Veränderung

Die Krankenhausreform ordnet medizinische Leistungen künftig stärker über sogenannte Leistungsgruppen einzelnen Standorten zu. Diese Gruppen sind mit Anforderungen an Personal, medizinische Expertise, Infrastruktur und beteiligte Fachdisziplinen verbunden. Das Land macht zugleich deutlich, dass künftig nicht mehr jedes Krankenhaus jede medizinische Leistung anbieten können wird.

Bei der Auswertung der Westerwälder Standorte zeigen sich deshalb weitere Unterschiede zwischen heutigen Angeboten und der bislang vorgesehenen Planung.

Diese Fälle untersucht 2halb3 derzeit gesondert. Dabei gilt: Das Fehlen einer spezialisierten Leistungsgruppe bedeutet nicht automatisch, dass eine gesamte heutige Fachabteilung geschlossen wird. Entscheidend ist, welche konkreten Behandlungen künftig welcher Leistungsgruppe zugeordnet werden und welche endgültigen Zuweisungen das Land trifft.

Was jetzt geklärt werden muss

Beim Fall Dernbach bleiben vier Punkte entscheidend: Wurde die Leistungsgruppe Stroke Unit überhaupt beantragt? Falls ja, warum fehlt sie in der bisherigen Planung? Soll die bestehende Einheit 2027 weitergeführt werden? Und welche Folgen hätte eine Veränderung für die tatsächliche Schlaganfallversorgung und die Zielsteuerung des Rettungsdienstes?

Diese Fragen sind derzeit offen.

Sobald belastbare Antworten beziehungsweise weitere Planungsunterlagen vorliegen, wird 2halb3 den Beitrag aktualisieren.


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