Baustellenszene im Steinweg in Montabaur mit aufgerissener Fahrbahn, Baugrube, Bagger, Lastwagen und Absperrungen. Darüber stehen die Schlagzeilen „Steinweg – sechs Wochen dicht“ und „Stadtbach-Baustelle ab 10. August“.

Montabaur reißt den Steinweg auf: Sechs Wochen Vollsperrung für die letzten 20 Meter

Für die letzten 20 Meter der Montabaurer Stadtbachverrohrung wird eine zentrale Verbindung der Innenstadt ab dem 10. August komplett gesperrt. Händler, Kunden und Anwohner müssen erneut mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

Nach der Kirmes kommt die nächste Sperrung

MONTABAUR. Kaum ist die Montabaurer Kirmes vorbei, wird im Steinweg wieder gebaut. Ab Montag, 10. August 2026, soll der Abschnitt zwischen der Wilhelm-Mangels-Straße und der Zufahrt zur Tiefgarage Altstadt I vollständig für Fahrzeuge gesperrt werden.

Nach Angaben der Stadt Montabaur können die Arbeiten bis zu sechs Wochen dauern. Damit trifft die Sperrung erneut einen sensiblen Bereich der Innenstadt – unmittelbar vor Geschäften, Apotheke, Bioladen, Gerberhof und Tiefgarage.

Der Grund liegt unter der Straße: Die Stadt will die letzten rund 20 Meter der unterirdischen Stadtbachverrohrung sanieren. Dafür reichen Arbeiten innerhalb des alten Bauwerks nicht mehr aus. Der Steinweg muss geöffnet werden.

Zwei neue Rohre mitten durch die Innenstadt

Im letzten Bauabschnitt sollen zwei neue Rohre eingesetzt werden. Die Arbeiten erfolgen in offener Bauweise. Konkret bedeutet das: Fahrbahn aufbrechen, Baugrube herstellen, alte Bauteile entfernen, neue Rohre einbauen und die Straße anschließend wieder schließen.

Das fehlende Teilstück verläuft quer unter dem Steinweg zwischen dem Gebäude der ehemaligen Kreissparkasse und der Einfahrt zum Gerberhof. Dort befindet sich bereits ein Betonbauwerk aus dem Jahr 2019, an das die neuen Rohre angeschlossen werden sollen.

Rund 1.600 Meter der Stadtbachverrohrung sind laut Verwaltung bereits saniert. Das Projekt nähert sich damit tatsächlich seinem Ende. Ausgerechnet die letzten Meter dürften jedoch für Händler, Kunden, Lieferdienste und Autofahrer besonders spürbar werden.

Erst Wasserleitung, jetzt Stadtbach

Der Steinweg war bereits im Juni 2026 von Bauarbeiten betroffen. Damals erneuerten die Verbandsgemeindewerke eine störanfällige Wasserleitung sowie die angeschlossenen Hausanschlüsse. Die Fahrbahn war teilweise gesperrt, die Zufahrt zur Tiefgarage Altstadt I zeitweise nur über die Hospitalstraße und die Tiefgarage Altstadt II möglich.

Schon damals kündigte die Stadt an, dass der Bereich nach der Kirmes erneut gesperrt werden müsse. Eine parallele Durchführung beider Maßnahmen sei aus technischen und organisatorischen Gründen geprüft, aber nicht möglich gewesen, erklärte die Verwaltung.

Für Betroffene ändert diese Begründung wenig. Sie erleben innerhalb weniger Wochen zwei getrennte Baustellen im selben Straßenabschnitt. Die entscheidende Frage lautet deshalb: War diese Belastung wirklich unvermeidbar – oder fehlte es an einer Bauplanung, die stärker aus Sicht der Innenstadt gedacht wurde?

Schlechter Zustand war seit 2025 bekannt

Überraschend kommt die Sanierung nicht. Bereits im September 2025 hatte die Stadt mitgeteilt, dass sich die Decke des unterirdischen Bauwerks unter dem Steinweg stellenweise in einem sehr schlechten Zustand befinde. Damals mussten Stahlstützen eingebaut werden, um weitere Schäden zu verhindern. Ursprünglich stellte die Verwaltung eine Sanierung für das Frühjahr 2026 in Aussicht.

Nun beginnt die eigentliche Maßnahme erst am 10. August.

Weshalb sich der angekündigte Termin vom Frühjahr in den Spätsommer verschoben hat, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen nicht eindeutig hervor. Ebenso offen bleibt, ob die sechs Wochen einen belastbaren Zeitplan darstellen oder lediglich den günstigsten Verlauf beschreiben.

Gerade bei Arbeiten an einem alten, uneinheitlich errichteten Bauwerk können unerwartete Schäden auftreten. Die mehr als 80 Jahre alte Verrohrung besteht je nach Abschnitt aus Betonröhren, gemauertem Klinker und unterschiedlichen Profilformen. Das hatte die Stadt bereits bei früheren Bauabschnitten erklärt.

Wer kommt noch zu Geschäften und Tiefgarage?

Die Stadt kündigt eine vollständige Sperrung für Fahrzeuge an. Noch nicht hinreichend konkret beschrieben ist, wie Kunden, Lieferanten, Beschäftigte und Anwohner während der Bauzeit zu den angrenzenden Gebäuden gelangen sollen.

Bleiben alle Geschäfte jederzeit zu Fuß erreichbar? Wo können Lieferfahrzeuge halten? Wie wird die Tiefgarage Altstadt I angefahren? Welche Wege gelten für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen? Gibt es Ersatzflächen für wegfallende Kurzzeitparkplätze?

Solche Fragen sind keine Nebensache. Bei einer sechswöchigen Baustelle können wenige Meter Umweg über einen spontanen Einkauf entscheiden. Für einen Händler kann aus einer vermeintlich überschaubaren Verkehrssperrung schnell ein spürbarer Umsatzverlust werden.

Bislang ist außerdem nicht bekannt, ob die Stadt mit den betroffenen Gewerbetreibenden einzeln gesprochen hat, ob ein Baustellenmarketing geplant ist und ob es Ansprechpartner für konkrete Probleme während der Bauzeit geben wird.

Kosten bleiben in der Erstinformation offen

Auch zu den Kosten des letzten Bauabschnitts nennt die vorliegende Mitteilung keine konkrete Summe. Der 2025 sanierte, rund 30 Meter lange Abschnitt unter dem Gebäude der ehemaligen Kreissparkasse sollte knapp 280.000 Euro brutto kosten. Dort erschwerten unter anderem schadstoffbelastete Beschichtungen die Arbeiten.

Wie teuer nun die letzten 20 Meter einschließlich Tiefbau, Rohren, Verkehrssicherung und Wiederherstellung der Straße werden, bleibt zunächst offen.

Diese Zahl gehört jedoch auf den Tisch. Die Öffentlichkeit sollte erfahren, was der Abschluss des jahrelangen Projekts kostet, ob Fördermittel fließen und ob der genehmigte Kostenrahmen ausreicht.

Notwendige Sanierung – mangelhafte Kommunikation?

Dass eine marode Stadtbachverrohrung saniert werden muss, steht außer Frage. Ein schlechter Zustand unter einer viel befahrenen Innenstadtstraße lässt sich nicht ignorieren. Wegsehen wäre keine Sparsamkeit, sondern ein Sicherheitsrisiko.

Kritik verdient deshalb nicht zwingend die Baumaßnahme selbst. Entscheidend ist, wie früh, konkret und nachvollziehbar die Stadt über Belastungen, Kosten, Verkehrsführung und mögliche Risiken informiert.

Eine Ankündigung rund zwei Wochen vor Beginn der Vollsperrung ist formal eine Information. Für Geschäftsleute, Lieferanten und Beschäftigte kann sie dennoch knapp sein. Wer Warenlieferungen, Personalwege, Kundeninformationen oder eigene Veranstaltungen umplanen muss, braucht mehr als ein Startdatum und den Hinweis „bis zu sechs Wochen“.

2halb3 fragt nach

Wir wollen von der Stadt Montabaur unter anderem wissen, wie hoch die veranschlagten Gesamtkosten sind, weshalb die Maßnahme nicht wie 2025 angekündigt im Frühjahr begann und welche Zugänge zu Geschäften und Tiefgarage während der Sperrung bestehen.

Außerdem stellt sich die Frage, welche Unterstützung betroffene Gewerbetreibende erhalten und ob die Verwaltung mit Verzögerungen rechnet, falls bei den Erdarbeiten weitere Schäden sichtbar werden.

Über weitere Straßensperrungen und Baustellen in der Region berichtet 2halb3 in unserer aktuellen Verkehrsübersicht.

Sind Sie als Anwohner, Händler, Beschäftigter oder Kunde vom Baustellenbereich betroffen? Wurden Sie rechtzeitig informiert? Schreiben Sie uns an info@2halb3.de. Hinweise behandeln wir auf Wunsch vertraulich.

Quellen

– Pressemitteilung der Stadt Montabaur zur Sanierung des letzten Abschnitts der Stadtbachverrohrung, Juli 2026
Stadt Montabaur: Wasserleitung im Steinweg wird erneuert
Stadt Montabaur: Sanierung der Stadtbachverrohrung wird fortgesetzt
Stadt Montabaur: Zufahrt zur Tiefgarage Altstadt I gesperrt
– Eigene Recherche und Auswertung öffentlich zugänglicher Mitteilungen durch 2halb3

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