Vier Wochen Vollsperrung waren angekündigt. Nach gut einer Woche rollte der Verkehr wieder. Der Kreis spricht von einer erklärungsbedürftigen Diskrepanz – und kritisiert die Kommunikation des LBM.
Mudersbachs Bahnbrücke: Wie aus vier Wochen plötzlich gut eine wurde
Vier Wochen sollte die Bahnbrücke in Mudersbach gesperrt bleiben. Nach gut einer Woche rollte der Verkehr wieder. Was für Anwohner zunächst eine erfreuliche Nachricht war, wirft hinter den Kulissen erstaunlich viele Fragen auf.
Der Landesbetrieb Mobilität Diez, kurz LBM, begründet die schnelle Freigabe mit einem besseren Zustand des Bauwerks. Arbeiten hätten entfallen oder sich durch geeignete Materialien beschleunigen lassen. Qualitätsverluste gebe es nicht.
Das kann so sein. Doch wenn eine Behörde vier Wochen ankündigt und die Straße bereits nach gut einer Woche wieder öffnet, reicht ein knappes „optimiert“ nicht als vollständige Erklärung.
Vier Wochen Vollsperrung angekündigt
Am 20. Juli 2026 begannen die Sanierungsarbeiten an der Bahnüberführung im Zuge der K 97. Das Bauwerk verbindet die Brückenstraße im Bereich Otto-Hellinghausen-Platz und Kirmesplatz mit dem Ortsteil Birken.
Die Ortsgemeinde Mudersbach kündigte ausdrücklich eine vierwöchige Vollsperrung an. Auch Fußgänger und Radfahrer durften die Brücke während der Arbeiten nicht nutzen.
Vorgesehen waren nach Angaben des LBM Diez unter anderem Arbeiten an der schadhaften Asphaltschicht, an den Übergängen zwischen Brückenkonstruktion und Fahrbahn sowie an Betonbauteilen.
Der Verkehr sollte über die Hauptstraße in Birken, die Siegbrücke bei der Erzquell-Brauerei und die B 62 ausweichen. Wegen einer Bahnunterführung blieb diese Strecke auf eine Durchfahrtshöhe von 3,50 Metern begrenzt.
Selbst die Abfallentsorgung stellte ihren Ablauf um. Vor Beginn der Sperrung ließ der Kreis sämtliche Abfallfraktionen außerplanmäßig an einem Tag leeren. Weitere Sondertermine sollten folgen.
Dann kam die Überraschung.
Nach gut einer Woche wieder offen
Bereits am 29. Juli meldete der Kreis Altenkirchen die Freigabe der Brücke. Zwischen Baubeginn und Öffnung lagen damit neun Kalendertage – nicht vier Wochen.
Der LBM teilte dem Kreis nach dessen Darstellung erst auf Nachfrage mit, dass der Zustand des Bauwerks besser gewesen sei, als man aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes erwartet habe. Deshalb hätten Arbeiten entfallen können. Andere Leistungen seien durch den Einsatz geeigneter Materialien schneller möglich gewesen.
Der Kreis betonte zugleich, dass dadurch nach Aussage des LBM keine Qualitätsverluste entstünden.
Diesen Punkt muss man fair festhalten: Eine schneller abgeschlossene Baustelle ist kein Skandal. Niemand sollte eine Straße länger sperren, nur weil im Vorfeld ein großzügiger Zeitrahmen genannt wurde.
Fragwürdig wird der Vorgang an anderer Stelle.
Was wussten Planer und Baufirma vor dem Start?
Öffentlich zugängliche Vergabeinformationen, die 2halb3 ausgewertet hat, sahen für die Arbeiten an der Bahnüberführung bereits einen deutlich engeren Ausführungszeitraum vor. Als Ziel erscheinen dort die Kalenderwochen 30 und 31 – also ungefähr zwei Wochen und keineswegs zwingend vier.
Warum kommunizierte der LBM gegenüber Gemeinde, Kreis und Bevölkerung trotzdem eine vierwöchige Vollsperrung? Diente dieser Zeitraum lediglich als Sicherheitspuffer? Waren unterschiedliche Bauabläufe im Umlauf? Oder rechnete die Verkehrsplanung mit Arbeiten, die in den Vergabeunterlagen längst anders eingeordnet waren?
Der öffentlich zugängliche Vergabesatellit des LBM liefert zwar Ausschreibungsinformationen. Eine für Bürger verständliche Gegenüberstellung von angekündigtem Zeitfenster, beauftragter Leistung und tatsächlich ausgeführtem Umfang fehlt jedoch.
Der Kreis kritisiert die Kommunikation
Auch beim Kreis Altenkirchen stieß der Ablauf nicht nur auf Begeisterung. Der Erste Kreisbeigeordnete Tobias Gerhardus sprach laut offizieller Kreismitteilung von einer Diskrepanz, die erklärt werden müsse.
Besonders deutlich fiel die Kritik an der Kommunikation aus. Der Kreis hätte sich mindestens eine Zwischennachricht des LBM gewünscht. Schließlich betraf die Sperrung nicht nur Autofahrer. Müllabfuhr, Anwohner, Lieferverkehr und Einsatzplanung mussten sich auf einen mehrwöchigen Ausfall einstellen.
Durch die kurzfristige Freigabe änderte der Abfallwirtschaftsbetrieb seine Planung erneut. Eine bereits vorgesehene Sonderleerung entfiel, andere Termine mussten kurzfristig neu geordnet werden.
Gerhardus verband den Vorgang ausdrücklich mit der Glaubwürdigkeit von Behörden und Verwaltungen. Das trifft den eigentlichen Konflikt: Nicht die schnelle Arbeit beschädigt Vertrauen, sondern eine Kommunikation, die Beteiligte erst planen lässt und sie anschließend mit einer völlig anderen Lage überrascht.
Unsere Übersicht zu den Straßensperrungen in der Region zeigt, wie stark Bürger von belastbaren Zeitangaben abhängen. Bei der Bahnbrücke in Mudersbach lagen Ankündigung und Wirklichkeit ungewöhnlich weit auseinander.
780.000 Euro – aber nicht nur für diese Brücke
Der Kreis Altenkirchen investiert nach den veröffentlichten Angaben rund 780.000 Euro. Diese Summe betrifft allerdings nicht allein die Arbeiten an der Bahnüberführung.
Zum Gesamtpaket gehört auch die Sanierung der Siegbrücke im Bereich der Erzquell-Brauerei. Wie viel Geld konkret auf die Bahnbrücke entfällt, geht aus der öffentlichen Baustellenkommunikation nicht eindeutig hervor.
Genau deshalb stellen sich weitere Fragen: Welche ausgeschriebenen Leistungen sind tatsächlich entfallen? Reduziert sich dadurch die Schlussrechnung? Welche Materialien ermöglichten die Beschleunigung? Wer dokumentierte den besseren Zustand des Bauwerks? Und welche Prüfungen fanden vor der Verkehrsfreigabe statt?
Weder eine vorzeitige Öffnung noch der Entfall einzelner Arbeiten belegt einen Mangel. Umgekehrt ersetzt die Versicherung, es gebe keine Qualitätsverluste, keine nachvollziehbare Dokumentation.
Aus „guten Nachrichten“ darf kein Frageverbot werden
Der LBM hat offenbar flexibel auf den vorgefundenen Bauwerkszustand reagiert. Das verdient zunächst Anerkennung. Öffentliche Auftraggeber müssen aber ebenso offen erklären, was sie geändert haben und welche Folgen das für Umfang, Abrechnung und Gewährleistung hat.
Eine Baustelle, die schneller fertig wird, ist gut. Eine Planung, die um mehrere Wochen danebenliegt, verdient trotzdem eine Erklärung. Beides kann gleichzeitig stimmen.
2halb3 hat die öffentlich zugänglichen Angaben des LBM, der Ortsgemeinde Mudersbach, des Kreises Altenkirchen und des Vergabeportals ausgewertet. Eine Vor-Ort-Kontrolle der Redaktion bestätigte Anfang August, dass die Bahnüberführung wieder befahrbar war.
Haben Sie die Arbeiten beobachtet? Wurde die Brücke tatsächlich vollständig fertiggestellt oder liefen nach der Freigabe weitere Arbeiten? Wie haben Anwohner, Gewerbetreibende und Entsorgungsdienste die kurzfristigen Änderungen erlebt?
Schreiben Sie uns vertraulich an info@2halb3.de. Besonders interessieren uns Fotos, schriftliche Baustelleninformationen und konkrete Beobachtungen zum Bauablauf.

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