Grafik zur Landratswahl 2026 im Westerwaldkreis mit Wahlurne, Kreisverwaltung und Westerwald-Landschaft.

Am 16. August wählt der Westerwaldkreis eine neue Landrätin oder einen neuen Landrat. Die ersten Namen stehen im Raum, doch entscheidend wird nicht das Parteibuch – sondern die Antwort auf Schulen, Straßen, Kreisumlage, Verwaltung und Sicherheit.

Landratswahl im Westerwaldkreis: Wer übernimmt jetzt Verantwortung?

Der Westerwaldkreis steht vor einer außerplanmäßigen Richtungswahl. Am Sonntag, 16. August 2026, wählen die Bürgerinnen und Bürger direkt eine neue Landrätin oder einen neuen Landrat. Sollte niemand im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erreichen, folgt am 30. August eine Stichwahl. Gewählt wird für acht Jahre.

Der Grund für die Neuwahl ist klar: Der bisherige Landrat Achim Schwickert ist mit Ablauf des 17. Mai 2026 aus dem Amt ausgeschieden, weil er ein öffentlich-rechtliches Amtsverhältnis als Minister der Landesregierung Rheinland-Pfalz übernommen hat. Bis zur Neubesetzung führt die Erste Kreisbeigeordnete Gabriele Wieland die Amtsgeschäfte.

Damit geht es nicht um eine normale Personalie. Es geht um die Spitze eines Kreises mit rund 209.000 Einwohnern – und um eine Verwaltung, die bei Schulen, Kreisstraßen, Sozialausgaben, Ausländerbehörde, Katastrophenschutz, Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft und Kreisfinanzen mitentscheidet. Kurz gesagt: Wer Landrat wird, sitzt nicht auf einem Grüßonkel-Stuhl. Er oder sie führt einen der wichtigsten Machtapparate der kommunalen Ebene.

Erste Namen, aber noch keine endgültige Liste

Die CDU-Gremien haben Klaus Lütkefedder, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, als Kandidaten empfohlen. Die endgültige Entscheidung soll auf der CDU-Mitgliederversammlung am 15. Juni in Herschbach fallen.

Die AfD Westerwald hat Jan De Cotiis als Landratskandidaten nominiert. Laut Rhein-Zeitung beruft sich die Partei dabei auf eine Wahlversammlung; De Cotiis wird dort als 33-jähriger Unternehmer aus Hof, stellvertretender Kreisvorsitzender, früherer Soldat und Vater beschrieben.

Auch Johannes Eidt von Volt tritt öffentlich als Kandidat für das Amt des Landrats im Westerwaldkreis auf. Auf seiner Kampagnenseite nennt er unter anderem Verwaltung, Lebensqualität und Zukunft des Kreises als Schwerpunkte. Zugleich verweist die Seite auf Unterstützungsunterschriften.

Wichtig bleibt: Die offizielle Bewerberliste steht erst nach Ablauf und Prüfung der Wahlvorschläge fest. Die Frist zur Einreichung endet am Montag, 29. Juni 2026, um 18 Uhr. Wahlvorschläge können von Parteien, Wählergruppen oder Einzelbewerbern eingereicht werden; je nach Fall sind Unterstützungsunterschriften nötig.

Die bequeme Frage reicht nicht

Die einfache Frage lautet: Wer tritt an?

Die bessere Frage lautet: Wer sagt konkret, was er oder sie mit dem Westerwaldkreis vorhat?

Denn der Kreistag ist politisch zersplittert. Seit der Kommunalwahl 2024 sitzen dort 50 Mitglieder: CDU 20, SPD 9, AfD 7, FWG 5, Grüne 4, FDP 2, Freie Wähler 2 und Die Linke 1. Der künftige Landrat muss also nicht nur verwalten, sondern Mehrheiten organisieren.

2halb3 wird deshalb alle bekannten und möglichen Bewerber mit denselben Fragen konfrontieren.

Keine Sonderbehandlung. Keine Jubelberichte. Keine Parteifolklore.

Was wir wissen wollen

Was passiert mit der Kreisumlage – und damit indirekt mit den Haushalten der Verbandsgemeinden, Städte und Ortsgemeinden?

Wie will die künftige Kreisspitze Schulen, Schülerverkehr und Kreisstraßen finanzieren?

Wie steht es um die Ausländerbehörde, Integration, Sicherheit und Katastrophenschutz?

Wie soll der Kreis mit Sozialausgaben, Klinikversorgung, Pflege, Ärztemangel und Ehrenamt umgehen?

Und ganz schlicht: Was wird für Bürger spürbar besser – nach 100 Tagen, nach einem Jahr, nach acht Jahren?

Diese Wahl darf kein Schaulaufen werden. Der Westerwaldkreis braucht Antworten. Die Bürger sollten sie vor dem Wahltag bekommen.

Quellen / Stand der Recherche

Kreisverwaltung Westerwaldkreis: Landratswahl am 16. August 2026, mögliche Stichwahl am 30. August, Amtsende Achim Schwickert, kommissarische Amtsführung durch Gabriele Wieland.
Amtliche Bekanntmachung: Einreichungsfrist für Wahlvorschläge bis 29. Juni 2026, 18 Uhr.
CDU Westerwald: Gremienvorschlag Klaus Lütkefedder, Entscheidung am 15. Juni.
Rhein-Zeitung: AfD-Nominierung Jan De Cotiis.
Kampagnenseite Johannes Eidt / Volt: öffentliche Kandidatur und Unterstützungsunterschriften.
Kreisverwaltung Westerwaldkreis: Zusammensetzung des Kreistags.

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