Zahlreiche junge Freiwilligendienstleistende stehen mit erhobenen Händen vor dem Familienferiendorf Hübingen und halten ein Banner mit der Aufschrift „5 vor 12 – Solidarität mit dem Familienferiendorf Hübingen“.

Bis zum 15. Juli braucht das Familienferiendorf Hübingen weitere Unterstützung. Der größte Teil des Rettungskapitals ist bereits zusammengekommen – jetzt dürfen die letzten Meter nicht zur unüberwindbaren Hürde werden.

Jetzt zählt jeder Euro: Das FFD Hübingen darf nicht sterben

Eine ganze Region steht vor einer Entscheidung

Es sind nur noch wenige Tage. Danach könnte feststehen, ob im Familienferiendorf Hübingen bald wieder unbeschwert Kinderlachen zu hören ist – oder ob eine seit 1969 gewachsene soziale Einrichtung ihre Türen dauerhaft schließen muss.

Nach aktuellem Stand der Stiftung werden insgesamt 350.000 Euro benötigt, um die Einlage für den geplanten Insolvenzplan und das notwendige Startkapital bereitzustellen. 281.000 Euro sind nach Angaben der Verantwortlichen bereits zusammengekommen. Noch fehlen 69.000 Euro.

Das klingt nach viel Geld. Gemessen an dem bereits Erreichten ist es jedoch die letzte überschaubare Lücke vor einem möglichen Neustart. Am 15. Juli soll mit der Aufstellung des Insolvenzplans begonnen werden. Das Geld allein garantiert die Rettung noch nicht – es bildet aber eine entscheidende Voraussetzung dafür.

Nun entscheidet sich, ob Unternehmen, Vereine, Institutionen und Privatpersonen gemeinsam verhindern, dass diese Rettung auf den letzten Metern scheitert.

Mehr als Ferienhäuser und Übernachtungszahlen

Das Familienferiendorf ist kein gewöhnlicher Beherbergungsbetrieb. Auf dem weitläufigen, autofreien Gelände finden Familien, Schulklassen, Vereine, Menschen mit Behinderungen und soziale Gruppen einen geschützten Ort.

Hier wird nicht nur übernachtet. Kinder stehen im Zirkuszelt, arbeiten mit Ton, entdecken die Natur oder finden neue Freunde. Eltern erhalten Abstand vom Alltag. Familien, die sich einen gewöhnlichen Urlaub kaum leisten können, bekommen eine reale Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen.

Dieser soziale Auftrag ist keine romantische Erzählung. Rund 17,3 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2025 in Haushalten, die sich nach eigener Einschätzung keine einwöchige Urlaubsreise leisten konnten. Bei Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten lag der Anteil bei 39 Prozent.

Das FFD kann diese gesellschaftliche Schieflage nicht lösen. Es kann den betroffenen Menschen aber etwas geben, das in Statistiken kaum auftaucht: Erholung, Gemeinschaft und neue Kraft.

Wer solche Orte verliert, bekommt sie kaum zurück

Ein geschlossenes Feriendorf lässt sich nicht einfach einige Jahre später wieder einschalten. Leerstand bedeutet Kosten. Ungenutzte Gebäude altern schnell. Fachkräfte suchen neue Arbeitsplätze, ehrenamtliche Strukturen zerfallen und Gäste orientieren sich dauerhaft um.

Deshalb geht es nicht nur um 69.000 Euro. Es geht um die Frage, welchen Wert eine Region ihren sozialen Einrichtungen beimisst.

Blicken wir weg, weil andere zuständig sein könnten? Oder erkennen wir, dass gemeinschaftlich getragene Einrichtungen nur überleben, wenn Gemeinschaft mehr bedeutet als freundliche Worte?

Der Betrieb funktioniert weiterhin

Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens empfängt das Familienferiendorf weiterhin Gäste. Buchungen sind möglich, die Beschäftigten sind an Bord und das operative Geschäft läuft weiter.

Der Insolvenzverwalter erklärte bereits im April, dass die Löhne und Gehälter seit Februar aus den laufenden Erträgen bezahlt würden. Personalmaßnahmen seien weder erfolgt noch geplant. Ziel des Insolvenzplans ist es, den Verein zu erhalten und die Gläubiger gegenüber einer Liquidation besserzustellen.

Damit besteht eine echte Perspektive. Hier soll kein wirtschaftlich aufgegebenes Gebäude künstlich am Leben gehalten werden. Vielmehr arbeitet ein engagiertes Team unter schwierigen Bedingungen daran, eine traditionsreiche Einrichtung neu und dauerhaft tragfähig aufzustellen.

Für die Zeit nach der Insolvenz hat nach Angaben der Verantwortlichen zudem eine große Stiftung umfangreiche Hilfe für Sanierungsarbeiten in Aussicht gestellt. Auch das Land Rheinland-Pfalz hat den Standort bereits unterstützt: Ende 2024 bewilligte das Familienministerium 306.055 Euro für die Modernisierung des Heizsystems.

Auch die Verbandsgemeinde unterstützt die Rettung

Nach Informationen unserer Redaktion unterstützt die Verbandsgemeindeverwaltung Montabaur das Vorhaben, das Familienferiendorf zu erhalten.

Dieser Rückhalt ist wichtig. Das FFD betrifft nicht allein den Trägerverein. Eine Schließung hätte Folgen für Hübingen, das Buchfinkenland und die gesamte Verbandsgemeinde. Arbeitsplätze, Übernachtungen, regionale Einkäufe, Vereinsaufenthalte und touristische Verbindungen zum benachbarten Wildpark würden berührt.

Kommunale Unterstützung kann jedoch private Solidarität nicht ersetzen. Eine Verwaltung darf nicht jede finanzielle Lücke schließen. Sie kann begleiten, vermitteln und deutlich machen, dass der Standort gebraucht wird.

Die entscheidenden 69.000 Euro müssen nun aus vielen Richtungen kommen.

So kann gespendet werden

Jeder Beitrag hilft. Niemand muss Tausende Euro überweisen, um Teil dieser Rettung zu werden. Viele kleine Beträge können gemeinsam genau jene Lücke schließen, an der das gesamte Vorhaben sonst scheitern könnte.

Spende per Überweisung

Empfänger: Stiftergemeinschaft Sparkasse Westerwald-Sieg
IBAN: DE87 5735 1030 0055 0858 80
Verwendungszweck: Familienferiendorf Hübingen e.V.

Die Kontodaten veröffentlicht das Familienferiendorf auch auf seiner offiziellen Spendenseite.

Online spenden

Eine direkte Online-Spende ist über die Kampagne „5 vor 12 – Solidarität mit dem Familienferiendorf Hübingen“ möglich.

Weitere Informationen zur Stiftung finden Interessierte bei der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Westerwald-Sieg.

Unternehmen und größere Geldgeber können sich außerdem direkt an Hausleiter Michael Nagel unter m.nagel@ffd-huebingen.de oder an den Vorsitzenden Dr. Hanno Heil unter h.heil@ffd-huebingen.de wenden.

Die letzten Meter entscheiden

Es wurde bereits Außergewöhnliches erreicht. Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen haben 281.000 Euro zusammengetragen. Das ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein gewaltiger Vertrauensbeweis.

Doch eine fast vollständige Rettung ist am Ende immer noch keine Rettung.

Jetzt fehlen Menschen, die 10, 50 oder 100 Euro geben. Es braucht Firmen, die Verantwortung nicht nur in Hochglanzbroschüren drucken. Vereine, Initiativen und wohlhabende Privatpersonen können ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten.

Vielleicht waren Sie selbst einmal im Familienferiendorf. Möglicherweise hat Ihr Kind dort eine Klassenfahrt erlebt, Ihre Familie Urlaub gemacht oder Ihr Verein eine gemeinsame Woche verbracht. Dann schreiben Sie uns. Erzählen Sie, welche Erinnerungen Sie mit diesem Ort verbinden und warum er erhalten bleiben sollte.

Das FFD Hübingen braucht jetzt keine weiteren Beileidsbekundungen. Es braucht 69.000 Euro – und eine Region, die zeigt, was ihr dieser Ort wert ist.

Quellen

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